Fragen an den Eisbären-Experten Geoff York - Teil 2
Was fasziniert Sie persönlich an Eisbären?
Wenn ich in der Arktis arbeite, staune ich jedes Mal aufs Neue darüber, wie ein so großer Bär in einer Umgebung wachsen und gedeihen kann, die für uns Menschen im Grunde lebensfeindlich ist. Für Eisbären ist es ein Paradies, dessen Fülle verborgen unter dem Packeis liegt.
Was fasziniert Sie an der Arktis?
Die Arktis ist ein erstaunliches Land mit überwältigender Weite und endlosem Himmel. Sie ist immer noch weitgehend von Menschen unberührt. Man steht auf einer Erhöhung, schaut über die Tundra oder das Packeis und entdeckt nirgends auch nur ein Anzeichen davon, dass irgendjemand jemals hier gewesen sein könnte. Die Arktis ist ein faszinierendes Gebiet; in seinem kurzen Sommer wimmelt es vor Leben und im Winter herrscht tosende Stille.
Haben Sie bereits sichtbare Veränderungen in der Arktis bemerkt?
Ja, allerdings. In den vergangenen zehn Jahren während unserer Frühlingsexpeditionen wurde das Eis immer dünner. In manchen Jahren ist es sogar unmöglich für uns in der Arktis zu arbeiten: das Eis ist mit breiten Rinnen offenen Wassers durchzogen, die wir nicht gefahrlos überqueren konnten.
Die Veränderungen beeinflussen auch unsere Forschungsarbeit während der Herbstmonate. In den 90er Jahren haben wir routinemäßig im Herbst gearbeitet, etwa bis das Seeeis im Oktober zurückgekommen war. Jetzt friert es viel später, und wir können unsere Herbstforschung in Alaska nicht mehr fortführen.