Was Sonja Both bisher erlebt hat? Im Archiv finden Sie die älteren Einträge.
26. November 2010 – 14:55 Uhr
Bring me home
Die größte Erfindung in den letzten Jahren ist für mich ganz klar das Navigationsgerät. Ist es nicht herrlich? Seitdem wir eins haben, bin ich ein freier Mensch. Neulich bin ich tatsächlich auf eine Party in einer mir völlig unbekannten Stadt gefahren – allein! Das hätte es vor Jahren nicht gegeben. Und das Beste: Nach der Party konnte ich leise flüstern: "Bring mich nach Hause, liebes Navigationsgerät." Und das hat es dann auch getan. Weiteres Plus: Nie wieder konfuse Wegbeschreibungen auf viel zu kleine Zettel schreiben. "Also an der Aral Tankstelle – oder ist es eine Shell – also egal, an der Tankstelle, ich glaube, das ist die dritte nach der Kreuzung, links abbiegen. Ach, die Straße ist im Moment gesperrt. Also dann musst du die nächste einbiegen, oder nein, das ist eine Einbahnstraße… Oder warte, wir machen es ganz anders …" Und das Allerbeste: Die Frage "Wann sind wir endlich da?" erübrigt sich von selbst. Denn das können die Kinder nun ganz einfach selbst am Display ablesen. Nochmal herrlich!
22. November 2010 – 10:25 Uhr
Guerilla-Socken
Man muss nicht alles verstehen. Manche Dinge muss man einfach hinnehmen. Zum Beispiel verschwinden bei uns haufenweise Socken. Nach jedem Waschgang bleiben mindestens drei Strümpfe übrig, die kein passendes Pendant haben. Gibt es dafür eine rationale Erklärung? Nein! Mittlerweile glaube ich, dass sich einmal des Nachts ein böswilliger Nachbar bei uns eingeschlichen hat und einen einzelnen Guerilla-Socken eingeschleust hat. Dieser Socken macht mir das Leben schwer: Er ist nicht richtig schwarz, er ist nicht richtig blau. Mir ist er zu groß, meinem Liebsten zu klein. Und er bleibt immer übrig. Stunden bringe ich in unserer spärlich beleuchteten Waschküche damit zu, seine bessere Hälfte zu finden. Vergebens! Also wandert er wieder in den Korb für den nächsten Waschgang, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.
12. November 2010 – 09:48 Uhr
Der Traum meines Lebens
Heute Nacht war ich im Traum auf der Party meines Lebens. Sie stieg in einem Schloss – und jeder Saal hatte ein eigenes Nachtisch-Thema. In einem gab es Kuchen (Tarte au chocolat, Streuselkuchen mit Schlagsahne, Donauwellen, Kokos-Schnitten), im nächsten Cremes und Puddings (Creme brulee, Ile flottante) und wieder im nächsten gewaltige Schokobrunnen. Es war göttlich. Und das Beste: Alle Gäste hielten sich nicht mit Smalltalk auf. Alle waren da, um einfach nur zu essen. Heute Morgen bin ich mit einem sehr glücklichen Gefühl erwacht. Doch was kann dieser Traum bedeuten? Macht mich nur exzessiver Nachtisch-Genuss wirklich glücklich? Leben wir in einer Welt des Konsums, der ich zu unkritisch gegenüber stehe? Oder sollte ich einfach mal wieder eine richtig leckere Donauwelle essen? An dem letzten Punkt werde ich auf jeden Fall anknüpfen. Vielleicht klären sich die übrigen dann von selbst.
05. November 2010 – 16:50 Uhr
Rabimmel rabammel rabumm
Wenn ich einen Termin im jährlichen Festkalender streichen könnte, wäre das sicherlich St. Martin. Dabei könnte alles so schön sein: Ein Soldat im dramatisch roten Mantel, ein feuriger Schimmel, Fackeln, die in der Dunkelheit leuchten… Die Realität sieht leider anders aus. In der Regel fällt mir am frühen Nachmittag auf, dass die im letzten Jahr zu horrenden Preisen erworbenen Leuchtstäbe allesamt nicht mehr funktionieren. Daraufhin stürze ich mit mindestens einem panisch heulenden Kind an der Hand von Baumarkt zu Kiosk, um ein bis zwei Modelle inklusive Batterien zu ergattern. Nach Einbruch der Dunkelheit versammeln sich alle Kinder und Eltern um St. Martin zu Pferd, der meistens eine Frau ist. Dann trotteln Kinder und Eltern unter Blaulicht und Polizeipräsenz hinter St. Martin her. Die Lieder sind immer dieselben, trotzdem kann ich immer nur die erste oder letzte Strophe mitsingen. Irgendwann reißt sich mein Jüngster im Getümmel los. In der Regel finde ich ihn am Martinsfeuer wieder, mit einem schon nicht mehr ganz so freundlichen Feuerschutzbeauftragen im mahnenden Gespräch. Noch mehr Lieder werden gesungen. Dann werden die Weckmänner ausgeteilt – wobei die Geschwisterkinder leer ausgehen. Streit entbrennt, denn nicht jedem fällt teilen so leicht wie St. Martin. Ich finde spätestens dann, dass wir meinen Lieblingsliedtext dringend in die Tat umsetzen sollten: "Mein Licht geht aus, wir gehen nach Haus!" Bis zum nächsten Jahr, Sankt Martin!
26. Oktober 2010 – 16:02 Uhr
Wie das Jahr verfliegt
Ist es nicht schrecklich, wie die Zeit rast? Das denke ich eigentlich jeden Tag – besonders schlimm ist es aber bei Jahreszeitenwechsel. Ich bin gedanklich noch im Sommer, da fallen schon die ersten Kastanien und überall gibt es Pfifferlinge zu kaufen. Kaum bin ich innerlich bereit für die Pfifferlinge, stehen im Supermarkt die Halloween-Verkleidungen bereit – von den Lebkuchenherzen ganz zu schweigen. Gerade stelle ich mich innerlich auf den Winter ein und – ZACK – gibt es in allen Zeitschriften die besten Plätzchen-Rezepte und last-minute-Weihnachtsgeschenke. Ja hallo? Ist denn schon Weihnachten? Und kaum das Weihnachten vor der Tür steht, gibt es überall Glücksschweinchen und Luftschlangen zu kaufen. Das geht mir definitiv alles viel zu schnell. Deshalb trete ich jetzt mal auf die Bremse und koche eine Kürbissuppe – weil jetzt wirklich bald Halloween ist und ich dringend einen Kürbis zum Aushöhlen brauche.
01. Oktober 2010 – 15:25 Uhr
500 Gramm Hackfleisch
Ich vermute, ich bin in unserer Dorf-Metzgerei bekannt als die, die immer 500 Gramm gemischtes Hackfleisch kauft. Mir ist das selbst schon unangenehm – aber es wird nun mal von allen meinen Kindern gleichermaßen gern gegessen (nicht, dass ich mich rechtfertigen müsste) und ist dabei so unglaublich vielseitig: Ob klassische Hackfleischsauce, gefüllte Zucchini, gefüllte Paprikaschoten, Hamburger, Hackfleischbällchen, überbackene Hackfleischbällchen, Gemüse-Reis-Hackfleischpfanne, Spinat-Hackfleisch-Auflauf, Nudel-Hackfleisch-Auflauf – die Varianten sind schier unerschöpflich.
Nebenbei bemerkt gehöre ich natürlich zu den fleißigen Käuferinnen von Koch-Magazinen mit dem Titel "Leckeres aus Hack" oder "Hackfleisch – der Sommerhit" (falls sich jemand fragen sollte, wer so etwas kauft). Aber irgendwann werde ich die Metzgerei-Fachverkäuferin überraschen. Ich werde – wenn sie sich bei meinem Anblick bereits ungefragt zum Fleischwolf umdreht – ausrufen: "Einen Sauerbraten, bitte!" oder "1 Kilo Heidschnucken-Leber!" oder "500 Gramm Kutteln!" Ich werde in ihr überraschtes Gesicht blicken und mich fragen, was zum Teufel ich mit 500 Gramm Kutteln anfangen soll. Wahrscheinlich werde ich sie durch den Fleischwolf drehen lassen. Und dann …