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Der Beauty & Kraft Blog

Der Alltag als berufstätige Mutter von drei Kindern (5, 10 und 14 Jahre) hat so einige Überraschungen parat. for me Redakteurin Sonja Both berichtet im Beauty & Kraft Blog wöchentlich aus ihrem Leben – von kleinen Unfällen, unvorhersehbaren Ereignissen und wie man trotzdem den Humor behält.


21. Februar 2011 – 17:50 Uhr


Warteschlangen-Philosophie

Warteschlangen-PhilosophieMein Jüngster wird gerne philosophisch. Besonders in Wartezimmern und Supermarktschlangen, in denen uns die ungeteilte Aufmerksamkeit der Umstehenden sicher ist. Gerne diskutieren wir bei solchen Gelegenheiten Themen wie: „Sind wir allein im Weltraum?“, „Warum müssen alle Menschen sterben?“ oder noch schlimmer: „Wie ist das Baby in den Bauch von der Frau hinter uns gekommen?“ Leider lässt sich mein Jüngster schlecht abwimmeln. Er will es genau wissen – und zwar sofort. Ich habe schon viele, nicht enden wollende Wartezeiten mit möglichst allgemein verträglichen Erklärungen und der Beantwortung immer tiefer gehenden Fragen verbracht. Mittlerweile habe ich eine ausgeprägte Warteschlangen-Phobie entwickelt. Mein neuester Trick: Kurz vor der Kasse verwickle ich meinen Jüngsten in ein möglichst unverfängliches Gespräch. Ich frage zum Beispiel: „Hast du eigentlich dein Zimmer aufgeräumt?“, „Was ergibt 6 + 7?“ oder „Wenn du dir hier und jetzt etwas ganz Tolles wünschen könntest – was wäre das?“ Angriff ist eben noch immer die beste Verteidigung.



 


01. Februar 2011 – 12:15 Uhr


Ski heil

Ski heil Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich dieses Jahr auf Skiern gestanden. Ein Erlebnisbericht.

Tag 1:
10 Uhr: Das Wetter ist herrlich. Ich stehe mit anderen Anfängern am Sammelpunkt und warte auf den Skilehrer. Der Himmel ist blitzblau, die Berge schneebedeckt. Ist das Leben nicht schön?
10.05 Uhr: Unser Skilehrer ist Sepp. Sepp ist 180 Jahre alt, denke aber, dass er das Ding schon schaukeln wird.
11 Uhr: Schneepflug, bremsen, Slalom-Fahren – alles kein Problem. Hatte irgendjemand Bedenken, ich könnte das nicht lernen? Bin ein Naturtalent!
13 Uhr: Ski Heil. Mann tun mir die Knochen weh.

Tag 2:
10 Uhr: Wo sind die Anfänger von gestern? Unsere Gruppe wird aufgestockt mit Fortgeschrittenen. Jetzt bin ich die einzige Anfängerin. Na toll!
10.30 Uhr: Mit dem Tellerlift geht es nach oben. Beim ersten Durchgang setze ich mich erst mal auf den Boden. Hätt ja auch mal jemand sagen können, dass man sich da nicht drauf setzen darf!
11 Uhr: Also Berge sind schon ganz schön steil. Halte mich dicht hinter Sepp, der mich im militärischen Ton anschreit: „Hinter mir bleiben!“ „Schneepflug!“ „In die Knie!“
11.15 Uhr: Nur nicht runterschauen, nur nicht runterschauen!
13 Uhr: Meine Knochen tun noch mehr weh als gestern. Finde Sepp inzwischen nicht mehr ganz so nett.

Tag 3:
10 Uhr: Mit der Gondel geht es ganz hinauf. Alles sieht sehr steil und sehr gefährlich aus. Würde gerne ein bisschen weinen.
10.07 Uhr: Die anderen sind fröhlich und lachen. Dabei können wir alle sterben!
10.15 Uhr: Oh Gott, ist das steil! Soll ich einfach mit der Gondel wieder runterfahren? Aber Sepp ruft schon:“ Achtung - es geht ab-wärts!“ Natürlich geht es abwärts, darauf hatte ich mich ja schon eingestellt. Aber geht es hier irgendwie besonders abwärts? Mehr als anderswo? Warum sagt er das so? 10.30 Uhr: Ich will eine Pause!!
10.35 Uhr: Denke mir unschöne Reimwörter auf den Namen „Sepp“ aus.
10.40 Uhr: Ich bin noch zu jung zum Sterben!
11.50 Uhr: Sepp will noch mehr Gas geben. Dabei fahre ich schon so schnell es der Schneepflug eben zulässt!
12.45: Ist das die Ausgangs-Alm da unten? Oh Gott, wenn ich will, muss ich nie wieder da hoch.
13 Uhr: Sepp du Depp, auf Nimmerwiedersehen!

Tag 4:
Ist Hausarbeit nicht etwas Wunderbares? Hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, eine Spülmaschine auszuräumen. Und so ungefährlich!

Tag 5:
Kind 1 bis 3 inklusive Ehegatten hatten viel Spaß im Schnee. Der Haushalt hat leider schon wieder an Reiz verloren. Gebe zu, mich ein bisschen gelangweilt zu haben. Vielleicht hätte ich mich doch durchbeißen sollen? Das Jahr startet gleich mit guten Vorsätzen – dieses Jahr, ja, da werde ich es nochmal versuchen. Bin schließlich ein Naturtalent.



 


28. Januar 2011 – 10:50 Uhr


Super Nanny

Super Nanny Ein zuverlässiges, autofahrendes und bezahlbares Kindermädchen zu finden ist fast so schwierig wie den Quastenflosser am Fuße des Marianengrabens. Bei der letzten Suche reduzierten die nötigen Voraussetzungen die Anzahl der Bewerberinnen auf genau eine Person. Als diese an der Tür klingelte, schickte ich ein Stoßgebet gen Universum: Bitte, bitte, lass sie nett sein! Meine Gebete wurden erhört: Vor der Tür stand Mary Poppins, offenbar direkt vom Londoner Kirschbaumweg 17 vor unsere Haustür geweht. Studentin. Halbitalienerin. Kocht gerne. Liebt Kinder. Und fährt Auto! Als ich an ihrem ersten Einsatztag nach der Arbeit nach Hause kam, duftete es nach Marmorkuchen. Meine Tochter hatte einen Filz-Anstecker gebastelt, den ich in schlechten Zeiten bei Ebay versteigern werde. Mein Jüngster saß eifrig über einem Bilderrätsel. Nach dem Verstreichen der ersten Wochen hatte sich bei meinen Kindern ein bestimmtes Verhalten manifestiert. Kaum hörten sie den Schlüssel im Schloss, hieß es: „Och Mama, kannst Du nicht noch ein bisschen arbeiten gehen?“ Mein Mutterherz blutete kurz, aber ich tröstete mich schnell mit einem saftigen Stück Marmorkuchen. Leider wehte der Wind sie irgendwann weiter. Was uns bleibt ist das Marmorkuchen-Rezept. Und das Gefühl, einmal richtig Glück gehabt zu haben. Danke, Mary!



 


16. Dezember 2010 – 13:10 Uhr


Simplify your Weihnachstzeit

Simplify your WeihnachstzeitJahrelang habe ich für meine Kinder in mühevoller Kleinarbeit Adventskalender gebastelt: Habe unglaubliche 72 kleine Geschenke besorgt, sie liebevoll verpackt und in einer durchdachten Dramaturgie an den drei Adventskalendern platziert. Spätestens am 1. Dezember war ich definitiv nicht mehr in Weihnachtsstimmung. Dieses Jahr habe ich es mir einfach gemacht: Rein in den Supermarkt, drei Adventskalender in den Einkaufswagen gelegt, raus aus dem Supermarkt. Ich machte mich auf bittere Klagen gefasst. Stattdessen schnappte sich mein Jüngster den Playmobil-Kalender, strahlte übers ganze Gesicht und schrie: „Mama, du bist die Beste der Welt!“ Und die Moral von der Geschicht? Simplify your Weihnachtszeit – und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen.



 


10. Dezember 2010 – 10:50 Uhr


Chamika-Wichtel

Chamika-WichtelAuf der Rückfahrt vom Kindergarten eröffnete mir mein Jüngster neulich, dass er im Weihnachtsstück einen "Chamika"-Wichtel spielen würde. Ich fragte: "Was macht ein Chamika-Wichtel?" "Er repariert Autos". "Ah so, du meinst einen ‚Mechaniker'-Wichtel, oder?" Mein Jüngster schüttelte bestimmt den Kopf: "Nein, ich meine genau das, was ich sage - Chamika-Wichtel." Da die Diskussion für ihn beendet war, stimmte er lauthals das Lied "Lasst uns froh und munter sein" an. Er singt gerne. Und sehr laut. An der Stelle "Dann stell ich den Teller auf, Niklaus legt gewiss was drauf" brach er ab. "Mama, was bedeutet ‚Wiswas'?" Ich verstand nicht. "Niklaus legt Wiswas drauf", fügte er erklärend hinzu. Ich antwortete: "Das heißt nicht Wiswas, sondern ‚gewiss was'." Die Erklärung gefiel ihm nicht besonders – denn er blieb bei seiner "Wiswas"-Fassung. Und verleiht das Wort dem Lied nicht wirklich etwas Geheimnisvolles? Seitdem liege ich manchmal nachts wach und frage mich – was kann es sein, das Wiswas? Und wünschen wir uns nicht alle ein bisschen mehr davon?



 


3. Dezember 2010 – 11:55 Uhr


Schlechte Beifahrer

Schlechte BeifahrerMein Liebster behauptet gerne, dass ich ein schrecklicher Beifahrer bin. Was natürlich Unsinn ist. Ich bin ein sehr guter Beifahrer – nur nicht bei ihm. Was ausschließlich an seinem Fahrstil liegt. Zum Beispiel finde ich, dass man beim Autofahren beide Hände am Lenkrad haben sollte. Und dass man bei 180 auf der linken Spur keinen Lieblingshit aus mehreren tausend Liedern auf dem Ipod suchen sollte. Oder dass man bei ebenfalls 180 auf der Autobahn nicht die Gala mitlesen sollte. Ja ist das denn zu viel verlangt? Erschwerend kommt hinzu, dass man als sein Beifahrer nur alles falsch machen kann. Sage ich zum Beispiel: "Müssen wir da vorne nicht abbiegen?" antwortet er: "Lass mich mal machen". Schweige ich in einer ähnlichen Situation, heißt es: "Warum hast Du nichts gesagt? Jetzt haben wir die Ausfahrt verpasst!" Eins steht jedenfalls fest: Der schlimmste Beifahrer ist er selbst. Und das liegt – genau – ganz sicher nicht an meinem Fahrstil.







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