Entwicklung der Kinder – "Stück zum Glück"

Entwicklung der Kinder – "Stück zum Glück"

Der siebenjährige Samuel ist erst seit wenigen Tagen im Kinderschutzhaus. Sozialarbeiter Rumi Montaz hatte ihn mehrere Tage lang am Bahnhof von Dhaka beobachtet, langsam sein Vertrauen gewonnen. „Er wollte erst nicht mit mir sprechen“, erzählt Rumi Montaz. „Ich musste ihm Zeit geben, damit er merken konnte, dass ich nichts Böses von ihm will.“


Samuels Mutter lebt nicht mehr und der Vater ist eines Tages einfach aus der kleinen Hütte am Stadtrand von Dhaka verschwunden. Und so landete Samuel mit vier Jahren schon auf der Straße. Wie der kleine Junge jahrelang dort am Bahnhof überlebt hat – unvorstellbar.

Samuel erzählt nur wenig. „Manchmal hatte ich so sehr Hunger, dass ich am liebsten geweint hätte“, sagt er, „aber weinen durfte man dort nicht, dann hätten dich alle anderen ausgelacht.“ Und so hat er sich stattdessen die Unterarme aufgeritzt. Immer und immer wieder, damit der Schmerz der Verletzung den Kummer und den Hunger übertönen konnte. „Auch Klebstoff schnüffeln half“, sagt Samuel.

Viele Kinder im Kinderschutzhaus haben diese Narben an den Unterarmen. Die meisten haben vergleichbare Schicksale wie Samuel hinter sich. Verlassen, misshandelt, alleine. „Wenn neue Kinder hier ankommen, ist das nicht leicht die ersten Tage“, erzählen die Lehrer. „Es ist nicht so, dass sie gleich glücklich sind und dankbar jeden Tag im Klassenraum zu sitzen!“ Die Jungen kannten keine Regeln auf der Straße, sie waren wild und undiszipliniert. Sich jetzt an ein geordnetes Zusammenleben zu gewöhnen, braucht Zeit. Liebevoll versuchen Betreuer und Lehrer den Kindern dabei zu helfen. Samuel musste auch erst einen Drogenentzug durchstehen, er musste zunächst körperlich versorgt und aufgepäppelt werden.

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Beim Eingewöhnen in den Alltag des neuen Zuhauses helfen sich die Kinder am besten untereinander, erzählt der zwölfjährige Muhammed. „Wenn ich mal traurig bin oder unglücklich, spreche ich erst einmal mit meinen neuen Freunden hier. Sie haben alle ähnliche Gefühle, weil sie Ähnliches erlebt haben. Jetzt sind wir alle wie Brüder.“ Die Freundschaften helfen. „Wenn ein Junge neu ankommt, gehe ich immer zu ihm und spreche mit ihm.“ Muhammed zeigt auf Samuel und lacht. „Samuel hat die ersten Tage sein Essen immer so reingeschlungen. Ich habe ihm aber erklärt, dass er Zeit hat und dass er am Mittag und am Abend wieder Essen bekommt. Und am nächsten Tag auch.“


Essen lernen. Vertrauen lernen. Lehrer Hasinur Rahman erklärt: „Wir lehren die Kinder ja nicht nur, was in den Büchern steht, sondern wir geben ihnen Werte fürs Leben mit. Moral, Respekt, Vertrauen.“
Die Jungen, die schon länger im Kinderschutzhaus sind, haben verstanden, dass sie hier nicht enttäuscht werden, dass sie innerlich entspannen und Kind sein können. „Ich habe mich sehr verändert, seit ich hier lebe“, erzählt der zwölfjährige Reza. „Ich schätze die Bildung. Und das ist jetzt meine Familie. Ich fühle mich wohl und bin dankbar, dass die Kindernothilfe mir die Möglichkeit gibt hier zu leben.“


Auch der kleine Samuel hat schon gelernt, in der Schule ruhig zu sitzen und zuzuhören. Seine selbst zugefügten Verletzungen an den Armen sind verheilt, aber die Inneren werden noch einige Zeit bleiben. „Aber jetzt ist seine neue Familie für ihn da, um ihn zu trösten und ihn aufzufangen“, versichert sein neuer „Bruder“ Muhammed.


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