Astro-Müll oder: Mein Horoskop und ich

Astro-Müll oder: Mein Horoskop und ich

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Horoskope liegen im Trend. Kosmische Empfehlungen sind für viele zu Jahresbeginn eine wichtige Orientierungshilfe. Oder auch nicht …
Ich will das neue Jahr zwar nicht vor Silvester dissen, aber das, was mein Horoskop mir gerade vor die Füße gekübelt hat, wird der Running Gag für die nächsten 12 Monate. Ich bin ja selbst schuld: Warum will ich auch wissen, was da astrologisch abgeliefert wird? Dabei geht es gar nicht so schlecht los. Mein kosmisches Mantra ist, laut meines Jahreshoroskops, 2020 in Sachen Liebe: "Die Sterne lächeln". Super. Und das steht auch gleich noch einmal beim Thema Gesundheit. Optimal. Aber bei Job & Karriere lese ich doch tatsächlich: "Die Sterne lachen sich kaputt".

Das fängt ja gut an

Mein Jahreshoroskop hört sich schon für die ersten drei Monate karrieretechnisch nicht so vielversprechend an.
  • Januar: "Merkur beschießt Sie mit so viel Energie, dass Sie im Job durchpowern können." Ganz ehrlich? Mein Ziel wäre ja mal eine Führungsposition, die über die des Administrators meiner WhatsApp Gruppe mit dem Namen "Mehr Frauen in Führungspositionen – sind doch auch 30 Prozent billiger" hinausgeht.
  • Februar: "Auch Mars hat Sie im Visier und fordert ordentlich Leistung." Das heißt doch im Klartext: Ich liefere, ich träume sogar nachts von der Arbeit und frage tags drauf beim Chef nach, ob ich das als Überstunden aufschreiben kann.
  • März: "Ihr Stern leuchtet, wenn auch nicht besonders hell. Denn Uranus grätscht dazwischen und triggert Versagensängste." Verantwortung, oh Gott! Für mich bedeutet der Kaktus auf meinem Schreibtisch schon zu viel davon.

Ich will nicht noch mehr Challenges

  • April: Laut meines Horoskops kommt nun Neptun ins Spiel, beendet dieses kosmische Horror-Szenario der ersten drei Monate und erinnert an die imaginären Säulen, die jeder von uns hat. Bingo! Apropos Säule: Ich bin zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber andererseits sagt man doch: Unsere Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel singen würden.
  • Mai: "Der Transit der Mondknotenachse hat Besonderes mit Ihnen vor." Oje, das heißt doch konkret: Noch mehr Pläne und Projekte warten auf mich. Dabei ist mein Terminkalender jetzt schon voller als Paris Hiltons Schuhschrank. Der innere Druck steigt. SOS!
  • Juni: Merkur im Steinbock rät mir, persönliche Finanzen auf den richtigen Weg zu bringen. Lohnt sich das bei meinem Einkommen überhaupt? Auf SAT 1 läuft seit 2019 das Tauschexperiment "Plötzlich arm, plötzlich reich". Ich müsste da gar nicht mitmachen, denn ich kenne das bereits – als Monatsende und Monatsanfang.

Wo bleibt die Work-Life-Balance?

  • Juli: "Pluto pflügt sich durch Ihren Karrieresektor." Der auch noch! Dabei gehöre ich jetzt schon zu den 18 % aller Deutschen, die regelmäßig an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Nur weil ich, von Natur aus neugierig, immer sehen will, wie es dahinter aussieht.
  • August: "Venus empfiehlt aus dem Haus des Teamgeschehens den Zauber des Miteinanders." Oh nein! Noch mehr Meetings mit diesen Kirchentagsdialogikern aus dem Marketing …
  • September: "Der Mond unterstützt Sie jetzt und schärft Ihren Sinn für mehr Effizienz." Aus Aufwand-Nutzen-Überlegungen werde ich ab jetzt in zeitraubenden Meetings auf die Flusspferdmethode setzen: kurz auftauchen, Maul aufreißen, wieder untertauchen, sich geräuschlos entfernen. Machen männliche Kollegen schließlich auch so.
  • Oktober: "Jupiter wandert in Ihr Zeichen und lässt Sie leuchten." Wenn überhaupt, dann nur nach innen. Denn meine Mundwinkel sagen was anderes. Ich müsste permanent einen Handstand machen, damit es für meinen Chef nach positiver Arbeitseinstellung aussieht.
  • November: "Uranus macht sich bemerkbar." Dieser verdammte Querulant. Es kommt zum energetischen Knall. Aus meinem Kopfschütteln wird ein Schleudertrauma. Gilt das eigentlich jetzt als Arbeitsunfall?
  • Dezember: "Ceres wird zu Ihrem Coach. Unter ihm stehen nun doch noch alle Zeichen auf Erfolg. Dieser soll auch am Jahresende sichtbar werden." Bin gespannt, wie. Krönender Abschluss: Die Weihnachtsfeier. Mein Chef fährt mit einem neuen Porsche vor und meint zu mir: "Wenn Sie weiterhin so hart arbeiten, Ihre Ziele kompromisslos verfolgen und sich voll reinhängen … kaufe ich mir nächstes Jahr eventuell noch einen zweiten."
Unsere Kolumnistin, Anne Vogd, (Jahrgang 1965), Anne Vogdist verheiratet und hat eine Tochter. Sie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis. Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören.
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