Superpower oder Superstress – eine Diskussion

Superpower oder Superstress – unser Leben als Frau, ganz offen diskutiert

Perfektionismus ist nicht die Lösung – und Legosteine unterm Sofa darf man ruhig ignorieren. Oder wegsaugen! Sagt Barbara Schöneberger. 100 Leserinnen trafen sie beim Conference & Coaching Tag in Berlin und tauschten sich angeregt mit namhaften Experten aus. Zehn Stunden, die so manches Leben veränderten.


Ein strahlender Morgen, kurz nach zehn. Fast jeder Platz im Humboldt Carré ist besetzt. 100 gut gelaunte Frauen erleben Barbara Schöneberger hautnah: „Heute können wir endlich mal alles besprechen“, beginnt die Entertainerin ihre Moderation. Thema des Tages: die „Multitasking Superwoman“. Und stellt die Gretchenfrage: Sind wir nun perfekt? Oder einfach nur im Stress?

Der hohe Anspruch an uns selbst

Sie plaudert vom schlechten Gewissen, das sie gelegentlich als Working Mom beschleicht. Spricht von Legosteinen, die sie wegsaugt, wenn sie stören. Ihre Selbstironie scheint Konzept zu sein. Gut gegen den Riesenanspruch, den wir Frauen mit kleinen Kindern, Job und Partner an uns selbst stellen! Wir fühlen uns verantwortlich, dass unsere Kinder lernen; das Zuhause aufgeräumt, der Freundeskreis bunt ist; dass wir arbeiten und Zeit für den Partner, Freundin, Yoga haben. Was für ein Druck!

Eine Studie über die Multitaskerin

Was ist das Besondere am Frauenleben, wie wir es heute führen? Im Auftrag von for me hat das Rheingold-Institut eine Studie dazu gemacht. Birgit Langebartels stellt sie vor. „Wir können heute so viele Rolle leben, haben alle Möglichkeiten. Zumindest auf den ersten Blick“, so die Psychologin. „Wenn alles scheinbar zugleich möglich ist, dann überfordert das. Da kommen wir in eine besinnungslose Betriebsamkeit.“ 56 Prozent der Befragten erscheint das Leben wie ein ständiger Kampf. Wie ernüchternd! „Wenn wir den Anspruch haben, alles hinzukriegen, müssen wir scheitern“, resümiert Langebartels. Ihr Appell: „Habt Mut zu priorisieren, zu relativieren, unperfekt zu sein!“

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Frauen wollen mehr arbeiten

Doch was sagen die Experten zum Multitasking der Frauen heute? Die Gäste der Podiumsdiskussion sehen darin auch Chancen.
Barbara Schöneberger
Professor Christiane Funken ist Soziologin, sie hat den Begriff „Sheconomy“ geprägt. Sie glaubt: Die Zukunft der Arbeitswelt ist weiblich. „Wir sind erstmalig in einer Lage, in der Frauen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben als früher. Durch die Digitalisierung entsteht ein neues großes Feld: Wissensarbeit. Dort werden genau die Kompetenzen gebraucht, die Frauen aufgrund ihrer Erziehung und Lebenssituation mitbringen. Frauen wollen heute mehr arbeiten.“

Dennoch ist das Frauenleben kein Selbstläufer. Dr. Patricia Ogilvie, Dermatologin und wissenschaftliche Beraterin von Olaz: „Ich beobachte, dass viele Frauen auf Kinder verzichten. Es ist zwar eine riesige Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinen. Aber es lohnt sich.“

Auch die Männer sind im Aufbruch

Dr. Heinrich Wefing, politischer Journalist bei der „Zeit“, Jahrgang 1965, ergreift das Wort: „Auch Männer sind heute anders: Wir wollen nicht dasselbe Vatersein leben wie unsere Väter. Wir wollen Zeit mit unseren Kindern verbringen.“

Tschüss, Perfektion!

Der Kabarettist Florian Schroeder plädiert für mehr Großzügigkeit, und zwar gegenüber beiden Geschlechtern: „Der Druck ist massiv, auch für uns Männer. Die Frau von heute sucht ja den Alphasoftie. Ich denke: Man sollte einfach dankbar sein für den Menschen an seiner Seite und froh, dass er nicht perfekt ist“. Der Applaus tost. Und es scheint, als seien sich alle einig: Perfektionismus ist ein Auslaufmodell. Weil er uns die Nerven zerreißt, uns am wahren Leben hindert – und nicht mehr zeitgemäß ist.

Patricia Ogilvie hat ein launiges Schlusswort parat. Es ist ein Rat, den ihr ihre Tochter an Weihnachten gab: „Mama, weißt du, was du brauchst? Du brauchst mehr Piepegal-Attitude.“ Probieren wir sie aus!

Es ist Zeit, großartig zu sein. Viele weitere spannende Inhalte vom Conference & Coaching Tag gibt’s auf unserer Übersichtsseite.