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„Ich bin Vater und Mutter zugleich“

„Ich bin Vater und Mutter zugleich“

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Ich bin nicht so sehr der klassische Vater, sondern mehr Mentor, Vorbild und Kumpel.

Zu Besuch bei dem alleinerziehenden Vater Nicky Laungani und seinem Sohn Narayan.

Narayan hat großen Hunger. In der Schule gab es heute nur Knödel mit Sauerkraut, das ist nichts für ihn, obwohl er ein guter Esser ist. Keiner, der sich groß anstellt und wählerisch auf seinem Teller herumstochert. Heute passt es also gut, dass am Nachmittag ein Imbiss eingeplant ist, der auch größer ausfallen könnte. Jetzt zum Schulschluss um 15.30 Uhr holt sein Vater ihn ausnahmsweise mal von der Schule ab, denn normalerweise kommt Narayan allein nach Hause.

Vater holt Sohn von der Schule ab

Es ist ein kurzer Weg zu ihrer Wohnung, ein Weg ohne Autostraßen – ein sicherer Schulweg, wie ihn sich Eltern nur wünschen: „Mittlerweile kann ich auch mal eine halbe Stunde später kommen, Narayan hat einen Schlüssel mit, das geht jetzt“, sagt sein Vater. Sein Sohn ist im September zehn Jahre alt geworden.

Mutter und Vater zugleich

Nicky Laungani lebt mit seinem Sohn allein und ist damit einer von rund 416.000 alleinerziehenden Vätern in Deutschland, während es aktuell 2,2 Millionen alleinerziehende Mütter gibt. Tendenz langsam steigend. Narayan war vier Jahre alt, als seine Mutter, Nickys damalige Partnerin, Hals über Kopf ihre Sachen packte und zurück in ihre Heimat, auf die Kanarischen Inseln, ging. Es war ein schmerzhafter Bruch, der das Leben der kleinen Familie auf den Kopf stellte. Es dauerte eine Weile, bis er diese Veränderung verarbeitet hatte, aber 
Nicky hat beschlossen, dass es nun mal so ist wie es ist. 
Nun ist es auch wieder möglich, dass Narayans Mutter ihr Kind zwei- bis dreimal im Jahr besuchen kommt. Dann wohnt sie bei Freunden in München und verbringt ein paar schöne Tage mit ihrem Sohn –  danach ist es wieder so wie es sonst ist. „Narayan weiß, dass wir getrennt sind und dass wir auch getrennt bleiben“, sagt sein Vater. Das bedeutet auch, dass Nicky die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist: Er ist Vater und Mutter zugleich. Kümmert sich alleine um die Erziehung, Betreuung und ist finanzieller Versorger. Eine Herausforderung, die mit einer großen Umstellung verbunden war.

Neue Herausforderung, neuer Job

Zu allererst musste er sich einen neuen Beruf suchen. Zuvor war er war im Vertrieb für Orthesen in ganz Deutschland, Österreich, England und Spanien tätig – fest angestellt und abgesichert. Vormittags arbeitete er zuhause, regelte Bestellungen und Lieferungen. Nachmittags besuchte er Sanitärgeschäfte und Krankenhäuser – bis es nicht mehr möglich war: „Du kannst nicht auf Messen fahren, Meetings am Nachmittag haben oder Kundentermine am frühen Abend wahrnehmen. Wie soll man das mit einem kleinen Kind machen?“. Für die damals neue Situation habe auch niemand groß Verständnis gehabt. Aber er entschied für sich selbst, etwas zu ändern. 

Vater und Sohn auf dem Balkon

Er versuchte sich in verschiedenen Jobs, begann auch einen Job als Hausverwalter. Und eines Tages ging er zu einer Agentur, die Komparsen für Film und Fernsehen vermittelt, für einen halben oder auch mal einen dreiviertel Tag. Sie nahmen ihn in ihre Kartei auf. Nicky war anfangs ziemlich aufgeregt, doch mit der Zeit legten sich die Nervosität und das Schamgefühl. Er versuchte sich als Komparse für Werbespots und Serien, ergriff aber bald die Gelegenheit als Model und Kleindarsteller zu arbeiten. Es brauchte seine Zeit, bis er sich in seiner neuen Berufsrolle gefunden hatte. Er lernte die richtige Haltung, das Posen und erarbeitete sich auf dem umkämpften Markt einen beachtlichen Platz. Eine für ihn völlig neue Rolle, an der er gewachsen ist: Vom schüchternen Mann zum gut gebuchten Model.

Ein gewisses Gefühl der Ungewissheit bleibt trotzdem bestehen: „Du weißt nicht, wann der nächste Auftrag kommt, du weißt nicht, warum du genommen oder abgelehnt wirst.“ Ein völliges neues Gefühl, denn bisher war er immer angestellt und wusste, was zu tun ist und dass regelmäßig Geld auf dem Konto ist. Jetzt muss er sich die Aufträge erarbeiten, um finanziell abgesichert zu sein – auch, weil es keine zweite Person gibt, die bei schlechter Auftragslage einspringen könnte, um die Familie zu versorgen. Und auch zeitlich knirscht es hin und wieder: „Es gibt allein 60 Tage Schulferien, für die man etwas organisieren muss.“ Oder plötzlich fällt mal ein halber Schultag aus: „Wenn du einen Partner hast, ist das eine Kleinigkeit, dann kann einer von beiden sich darum kümmern. Aber wenn man allein ist, wird es schwierig.“
Für Nicky Laungani bedeutet das, dass er, speziell in der Zeit nach der Trennung, einige Jobs absagen musste, um sich um seinen Sohn zu kümmern. In den letzten zwei Jahren klappt es immer besser, Job und Betreuung zu regeln: Wenn Nicky einen größeren Auftrag hat oder die Schule mal ausfällt, verbringt Narayan die Zeit bei seinen Schulfreunden, manchmal springen auch Freunde oder Nachbarn ein, damit der 10-Jährige nicht alleine ist.

Familienalltag: Zwischen Miete und Basketball 

In seinem neuen Job hat er sich klare Ziele gesetzt: Fünf, sechs Aufträge im Monat, die möglichst lokal, also direkt in München oder in Stuttgart zu erledigen sind. Vielleicht auch verbunden mit einer Reise nach Österreich und wenn es geht, abends zurück. Seinen Sohn bringt er dann über Nacht bei den Eltern von Klassenkameraden unter, das klappt, wenn es nicht zu oft vorkommt. „Ich habe gute Monate und es gibt weniger gute“, erzählt er. In Zahlen: „Mal sind auf dem Konto 2000 Miese, mal bin ich mit 3000 im Plus.“ Die Kosten laufen aber stetig weiter. Für die Wohnung zahlt er über 1000 Euro, aber nur, weil er einen alten Mietvertrag hat. Somit ist die Wohnung noch vergleichsweise preiswert. Nach München reinzuziehen, vielleicht in ein Viertel mit jungen Familien, ist finanziell unmöglich: „Ja, es ist schön hier, ruhig und grün, aber es ergibt sich nichts, wenn der Kleine zum Spielen runtergeht. Dann steht er dort alleine“, sagt er, dreht die Kochplatte hoch und bereitet das Essen vor. „Ich dachte, es ist schon fertig“, sagt Narayan ungeduldig. „Komm, mach so lange Schularbeiten“, schlägt Nicky vor und schiebt ihn sachte in Richtung seines Zimmers. Und Narayan trollt sich in sein Kinderzimmer, setzt sich an seinen Schreibtisch und widmet sich seinen Hausaufgaben. Obwohl er auf eine Ganztagsschule geht und bis 15.30 Uhr dort ist, fallen immer wieder Hausaufgaben an.

Kind spielt Basletball

Sie haben noch eine halbe Stunde, denn um 17 Uhr ist Basketballtraining, jeden Dienstag, jeden Donnerstag. Die Tasche dafür ist längst gepackt. Nun sitzen Sie am kleinen, schmalen Tisch zusammen, Narayan erzählt über seinen Schultag und die Fahrradprüfung – so ausführlich, dass sie fast die Zeit vergessen. Aber nun müssen sie los. Ein paar Straßen und Ampeln weiter, haben sie es geschafft, ganz pünktlich. Narayan verschwindet schnell in der Umkleide, bevor er gleich 90 Minuten rennen, ackern, passen und Körbe werfen wird als gäbe es kein Morgen. 
Nicky selbst geht in dieser Zeit ins Fitness-Studio. Jeden Tag mindestens anderthalb Stunden Sport müssen drin sein: „Wenn ich keinen Sport mache, bin ich unausstehlich, dann habe ich schlechte Laune, dann mag ich mich selbst nicht“, sagt er. Er trinkt so gut wie nie Kaffee, er trinkt so gut wie keinen Alkohol, raucht keine Zigaretten, isst nichts Frittiertes und kein Schweinefleisch. Das habe ihm geholfen topfit zu bleiben. 
Und auch als Koch macht er eine gute Figur. Er kocht jeden Tag frisch, nicht nur an den Wochenenden. Eine Frau, mit der er gemeinsam kochen oder sich zumindest abwechseln könnte, gibt es zurzeit nicht – und auf Fertigprodukte oder Fast Food zu setzen ist gesundheitlich und finanziell keine gute Option. 

Vater und Sohn: Ein Team

Sport allgemein und vor allem Basketball, verbinden Vater und Sohn auf besondere Weise. Für den Winter haben sie sich vorgenommen, regelmäßig schwimmen zu gehen. Was nicht heißt, dass kuscheln, reden oder einfach nur zusammensitzen zu kurz kommt, aber: „Ich muss Vater und Mutter zugleich sein“, sagt Nicky. „Mein Leben spielt sich mit mir und meinem Sohn ab“, sagt Nicky, „wobei ich oft gar nicht so sehr der klassische Vater bin, sondern mehr Mentor, Vorbild und Kumpel.“ 

Vater und Sohn in der Küche

Eine große Herausforderung. Aber gibt es irgendwas, was er seinem Sohn vielleicht nicht bieten kann? Naja, vielleicht fehlt manchmal der weibliche Touch. So das Optische. Das Schönmachen. Natürlich kann Nicky sich vorstellen, eine Frau kennenzulernen und mit ihr zusammenzuleben – aber das ist nicht einfach. Am Anfang fanden die Frauen es toll, dass er sich so liebevoll um Narayan kümmere, aber mit der Zeit stellten sie fest, dass sie ihrerseits nicht die Mutter ersetzen und wenn eher ein eigenes Kind haben wollten.

Alles wie immer – aber bleibt das auch so?

Nach dem Training gehen die beiden wieder zum Auto, beide durchgeschwitzt, beide zufrieden. Zu Hause angekommen hat Narayan wieder Hunger, na klar. Es gibt nochmal Nudeln mit Hühnchen, dieses Mal mit Tomate statt Pesto, das ist für beide in Ordnung. Kurz diskutieren sie während des Abendessens, wann es ins Bett geht: „Acht, spätestens halb neun, dann ist das Licht aus“, sagt Nicky. Für Narayan ist es wie immer zu früh.

Vater und Sohn essen

Wenn sein Sohn im Bett ist, beginnt Nickys Zeit. Ein paar Mails beantworten, mal wieder seinen Instagram-Account aktualisieren, wo sich eine Auswahl seiner Model-Fotos finden. „Ehrlich gesagt, schlafe ich manchmal auch auf dem Sofa ein“, sagt er und lächelt etwas verlegen. 
Morgen wird er wieder um kurz vor sieben Uhr aufstehen, kurz nach sieben folgt sein Sohn. Narayan zieht sich selbstständig an, isst meistens eine Schüssel Müsli und putzt sich danach die Zähne, während sein Vater die blaue Brotdose bestückt und die bruchsichere Flasche befüllt. Wenn sie sich verabschiedet haben, ist es für einen Moment still: „Ich habe schon etwas Bammel davor, wenn der Kleine mal groß und selbstständig ist, weil ich so auf meine Verantwortung und seine Anwesenheit fixiert bin. Da wird bestimmt eine große Lücke entstehen“, sagt Nicky. Aber bis dahin ist noch Zeit. Aber eines Tages wird sein Sohn seinen ganz eigenen Weg gehen. Wie in allen Familien.
 
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