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Anne Vogd ist genervt: Alles muss man selbst machen!

Anne Vogd ist genervt: Alles muss man selbst machen!

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Die Technisierung macht‘s möglich. Aber nicht jeden freut‘s. Denn wenn man einen Schritt nach vorne macht, macht die Zukunft gleich zwei. 
Ich bin mein eigener Onlinebanker, Stromableser, Bahnangestellter, Möbelaufbauer und meine eigene Kassiererin. Dabei will ich gar nicht diejenige sein, die alles können muss – auch nicht, wenn man dadurch als aufgeschlossen und modern gilt. Und dafür gibt es einen guten Grund: Ich bin noch mit der Wählscheibe aufgewachsen und habe mich diesbezüglich auch nicht nennenswert weiterentwickelt. Ich fühle mich im Alltag immer öfter diskriminiert:

Dieser Performance-Druck vor vermeintlich selbst erklärenden Parkautomaten, der immer im öffentlichen Versagen endet … Horror! Neulich erst ist es wieder mal auf dem Gelände der DB passiert. Da stand ich morgens um acht und hinter mir eine Schlange von Berufspendlern. Keine fünf Minuten vergingen und zwei Anzugträger hinter mir fingen an zu meutern. „Man könnte ja auch einfach mal eine Rettungsgasse bilden“, dachte ich zähneknirschend, „zum Beispiel für den Bahnmitarbeiter, der in Sichtweite das Drama beobachtet und eiligst versucht, nicht herbeizueilen“. In solchen Momenten bin ich einem Nervenzusammenbruch näher als meinen eigenen Innereien.

Ich bin jemand, der Dienstleistung zu schätzen weiß. Mit dem „Selbermachen“ habe ich mich schon immer schwergetan. Erstmals machte ich diese Erfahrung als Studentin, als mich das „Übel mit dem Dübel“ regelmäßig in Form von Bildern, Spiegeln und freischwebenden Wandregalen überkam.So gut kann ich gar nicht versichert sein, als dass mir Heimwerkeln nachhaltig Freude bereiten könnte.

Ist das Glück erstmal weg, ist das Pech auch nicht mehr weit

Und eine Waschmaschine selbst anschließen? Stundenlang hatte ich bei meinem letzten Umzug Tutorials geguckt. Überweisungen, Steuerklärung … alles war liegen geblieben. Bei Asterix hätte man mich „Kommtzunix“ genannt. Tutorials sind ja per se der Running Gag des Alltags. Aber was will man machen? Der Tag versaut sich schließlich nicht von alleine.
Da flötet dir auf YouTube eine Stimme mit gefakter Zuversicht was von Schlauchschelle entgegen, während man dir gleichzeitig zeigt, wie man es mit wenigen Handgriffen noch schlimmer macht, zumindest in meinem Fall. Ich fühlte mich schon bald selbst wie eine Waschmaschine – völlig am durchdrehen. Seit dem ersten Probelauf vor zehn Jahren ist mein Keller immer noch feucht – würde ich da heute eine Mausefalle aufstellen, da wäre morgen eine Forelle drin. Mein Glück im Unglück: Antikal. Dass mir bis heute hässliche Wasserflecken erspart geblieben sind, habe ich ausschließlich diesem Kalkreiniger-Spray zu verdanken. Es wirkt zuverlässig auf Armaturen und Fliesen, ohne die Oberflächen anzugreifen und beugt sogar neuen Wasserflecken vor.

Ich will kein Selfie sein.

Ich mag nichts Selbstgemachtes, was über einen Aperol Spritz hinausgeht. Aber der Trend hält an: „Respekt, wer es selber macht“, heißt es in der Werbung eines Baumarktes. Und es geht ja noch weiter: Sogar medizinische Diagnosen soll man sich mittlerweile selbst erstellen. Ich bin mal gespannt, wann man sich sein erstes OP-Besteck im Baumarkt kaufen kann, nachdem man sich auf einer App via Symptomanalyse selbst ein Magengeschwür diagnostiziert hat. Sind das die Doktorspiele von heute? Man sitzt vor seinem PC und auf dem Bildschirm erscheint ein Online-Doc, der einen bei der OP anleitet? Vielleicht. Aber dann sollte man sich wenigstens ein Portal aussuchen, das nicht von einem Pharmakonzern gesponsert wird.
Nicht, dass der Bildschirm-Doc auf einmal fragt: „Haben Sie die Magensonde geschluckt? Gut, dann bin ich gleich nach der Werbung wieder für Sie da. Unten rechts können Sie derweil meine Rechnung downloaden‘‘.
Unsere Kolumnistin, Anne Vogd, (Jahrgang 1965), ist verheiratet und hat eine Tochter. Anne VogdSie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als Comedian auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis. Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören.

 

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