Rezyklate … was? Das passiert mit unserem Müll im Recycling-Kreislauf

Haus & Garten
17/11/2020

Aus alten Verpackungen und Materialen werden neue Wertstoffe: Wie funktioniert das eigentlich? Wir nehmen den Ablauf unter die Lupe.

Der Recycling-Kreislauf: drei Methoden, dreimal Nachhaltigkeit
Das sind Plastik-Rezyklate – und so entstehen sie
Der Recycling-Kreislauf von Plastik auf einen Blick
Altpapier: vom Müll zur Ressource
Grün, braun, weiß: Glas richtig recyceln

Gemeinsam für Nachhaltigkeit: das Rezyklat-Forum

Die Mitglieder des 2018 gegründeten Rezyklat-Forums setzen sich für mehr Nachhaltigkeit ein – unter anderem durch eine besonders sortenreine Trennung der Wertstoffe. Die Händler, Hersteller und Entsorger bilden – gemeinsam mit Politiker*innen – den gesamtem Recycling-Kreislauf ab. Sie wollen nicht nur das Bewusstsein der Verbraucher für die richtige Müllentsorgung schärfen, sondern auch Verpackungen reduzieren und die Recyclingquote erhöhen. Zudem sollen Verpackungen recyclingfähig sein, sodass sie dem Recycling-Kreislauf als Ressource erhalten bleiben.

Recycling

Gelber Sack, blaue Tonne, Glascontainer, Biomüll, Elektromobil – Möglichkeiten zur Abfall-Entsorgung gibt es viele. Aber was passiert damit, wenn er weggeworfen wurde? Wir haben uns beim Recycling-Kreislauf angesehen, wie verschiedene Materialien aufgearbeitet und wiederverwertet werden. Denn das ist besonders in Zeiten des Klimawandelns extrem wichtig, geht es doch zukünftig darum, so wenig Müll wie möglich zu verursachen. Das Ziel vieler Unternehmen und Forscher ist eine „Circular Economy“, in der alle Abfälle wieder neu verwendet werden können.

Der Recycling-Kreislauf: drei Methoden, dreimal Nachhaltigkeit

Je nach Material oder Stoff gibt es drei Wege, die Müll im Recycling nehmen kann.

  1. Das Produkt wird nach der Entsorgung in der Recycling-Anlage in seine einzelnen Wertstoffe zerlegt, die dann einzeln als (Sekundär-) Rohstoffe wiederverwendet werden können.
  2. Stoffe, die bei der Produktion beziehungsweise in der Industrie als Abfallprodukte anfallen, werden aufbewahrt und für andere Zwecke genutzt.
  3. Das Produkt wird im selben Zustand wiederverwendet und nur umgearbeitet – zum Beispiel ein Motor, der repariert wird und eventuell Ersatzteile bekommt.

 

Alle drei Recycling-Kreisläufe sind nachhaltig und sparen Geld. Denn wenn ein Material nicht verbrannt, sondern wiederverwendet wird, sinken die Entsorgungskosten und die CO2-Emissionen.

Das sind Plastik-Rezyklate – und so entstehen sie

Es klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Ein Rezyklat ist das Produkt eines Recyclingprozesses, also alle Materialen und Gegenstände, die ganz oder auch nur teilweise aus recyceltem Material bestehen. Das Plastik-Recycling ist besonders wichtig, da die Kunststoffabfälle in Deutschland immer mehr zunehmen. Rund 39 kg Plastikverpackungsabfall verursacht jeder Deutsche pro Jahr im Schnitt – sechs Kilo mehr als im EU-Durchschnitt.1

Weltweit wurden 2019 beispielsweise 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Wird dieser nicht richtig entsorgt und recycelt, gelangt er häufig über die Gewässer ins Meer – wo die Vermüllung immer weiter zunimmt. Dies ist besonders wichtig, da nur eine einzige Plastikflasche bis zu 450 Jahre braucht, bis sie im Wasser zerfallen ist. Und auch dann sinkt sie in Form von Mikroplastik auf den Meeresboden. Das konsequente Recycling von Kunststoffen wird daher immer dringlicher.

Ein Beispiel für Plastik-Rezyklate sind die Spülmittelflaschen von Fairy. Deren Flaschenkörper bestehen inzwischen aus 100 % recyceltem Plastik2. Und das Beste: Sie lassen sich über den Gelben Sack beziehungsweise die Gelbe Tonne entsorgen und erneut recyceln. Das trägt aktiv zum Klimaschutz bei.

Der Recycling-Kreislauf von Plastik auf einen Blick

  • Zunächst kommt Plastik in den Gelben Sack.
  • Beim Entsorger wird das Plastik sortiert und zu Granulat zerkleinert. Wichtig: Das Plastik muss sortenrein sein, damit es sich verarbeiten lässt. Das bedeutet, dass keine anderen Stoffe und Materialien daran haften oder darin enthalten sein dürfen. Darauf wird in der Recycling-Anlage besonders geachtet.
  • Anschließend wird es eingeschmolzen und zu neuem Rohstoff für Verpackungen, Flaschen und andere Gegenstände verarbeitet.

Eine Herstellung von Verpackungen und Co. aus Plastik-Rezyklat ist der derzeit nachhaltigste Weg, um Kunststoffe herzustellen sowie dem Plastikmüll Herr zu werden und sollte zukünftig Standard werden. Wichtig dabei: dass Verpackungen von vornherein recyclingfähig designt werden.

Recycling 

Altpapier: vom Müll zur Ressource

Allen Smartphones, Laptops und dem papierlosen Büro zum Trotz – ums Papier kommen wir bisher noch nicht herum. 2018 waren es in Deutschland rund 247 kg Pappe, Papier und Karton pro Kopf! Das sind zusammen 20 Millionen Tonnen. Allerdings: Rund 75 % des Papiermülls werden innerhalb der EU konsequent recycelt und aufgearbeitet.3 Und das wird unter anderem aus dem Altpapier:

  • Zeitschriften
  • Bücher
  • Schulhefte
  • Büroartikel
  • Verpackungen
  • Toilettenpapier und Taschentücher
  • Druckerpapier

 

Unser Tipp: Achten Sie beim Kauf auf das Symbol „Blauer Engel“. Es zeigt an, wenn ein Produkt aus recyceltem Papier hergestellt wurde.

So funktioniert der Recycling-Kreislauf bei Papier:

  • Altpapier kommt in die Blaue Tonne oder in den Altpapiercontainer.
  • In der Recycling-Anlage wird es sortiert – weißes Papier kann wieder zu hellem Papier werden, andere Farben oder Magazine werden beispielsweise zu dunkler Kartonage verarbeitet.
  • Nach der Trennung werden Fremdteile herausgefiltert, wie etwa Tackernadeln, Büroklammern oder Plastikteile.
  • Das Papier wird danach geschreddert.
  • Über ein chemisches Verfahren kann sogar die Druckerfarbe entfernt werden. Das Papier wird mit Wasser vermischt, damit eine Art Brei entsteht. Dieser wird so lange gereinigt, bis alle Farbpigmente herausgefiltert sind.
  • Manchmal werden während des Prozesses neue Holzfasern zugesetzt, damit das fertige Produkt stabil bleibt. Denn nach mehreren Recycling-Kreisläufen werden die Fasern kürzer und daher instabil.
  • Für helles Papier wird diese Mischung jetzt gebleicht.
  • Danach wird die Masse geglättet, getrocknet – und zu neuem Papier.

Recycling

Grün, braun, weiß: Glas richtig recyceln

Glas eignet sich besonders gut fürs Recycling – denn es kann beliebig oft eingeschmolzen und neu verwendet werden. Das Beste: Der Energiebedarf für die erneute Herstellung sinkt, da recyceltes Glas bei niedrigeren Temperaturen schmilzt als die ursprünglichen Rohstoffe. So schützt das Einschmelzen von Altglas das Klima und spart zusätzlich Ressourcen wie Quarzsand, Kalk oder Soda ein, die sonst zur Glasherstellung benötigt würden. So wird Glas recycelt:

  • Es wird zunächst nach Farbe und Glasart (Laborglas, Fensterglas, Glasdeckel usw.) sortiert.
  • Das Sortieren ist besonders wichtig, da Glas nur sortenrein wiederverwendet werden kann – aus Fensterglas wird wieder eine Fensterscheibe, aus Flaschen erneut ein Trinkgefäß.
  • Das Glas wird auf 15 mm zerkleinert und per Hand nachkontrolliert.
  • Fremdstoffe wie Deckel, falsch eingeworfener Abfall und Porzellan werden rausgefiltert.
  • Die Glasscherben werden noch einmal gesiebt.
  • Nach der abschließenden Kontrolle kann es eingeschmolzen werden.

Recycling

1Quelle: Statista
2Gilt für alle 450-ml-Flaschen und sowie 625-ml-Flaschen (transparent). Außer Kappe und Etikett.
3Quelle: Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/altpapier#vom-papier-zum-altpapier, zum letzten Mal aufgerufen am 16.10.2020, 13:46 Uhr.