Mutter und Tochter sitzen zusammen am Tisch Mutter und Tochter sitzen zusammen am Tisch „Du bist nicht meine Mutter“ – Wie Sie lernen können,
mit seinen Kindern eine Familie zu werden

Frauen, die Männer lieben, die schon Kinder haben, fühlen sich oft zerrissen und jede Bemühung scheint die falsche zu sein. Mit diesen Tipps wird das Zusammenleben im Alltag liebevoller.

Wenn die 32-jährige Sabine die Wohnung ihres neuen Partner betritt, weiß sie, was auf sie zukommt – beziehungsweise, wer ganz sicher nicht auf sie zukommt: die siebenjährige Anna-Lena. Dass sie von ihr nach einem halben Jahr Partnerschaft noch immer komplett ignoriert wird und sie bei ihrer Ankunft betont hingebungsvoll in ihrem Zimmer spielt, ist alles andere als eine Überraschung. Doch deswegen tut es nicht weniger weh.

Die Herausforderung annehmen
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Warum zu viel fördern nicht immer gut tut


Eine neue Partnerschaft bringt vieles mit sich – das Gefühl von Verliebtheit, einen Rausch der Hormone – und manchmal auch neue Kinder. Mit den vom bekannten dänischen Therapeuten Jesper Juul benannten „Bonus-Kindern“, die man als „Bonus“ zum Partner erhält, hat es die neue Partnerin nicht immer leicht. Und nicht immer werden die Kinder von Anfang an als Bonus empfunden. Doch die Frage, ob man sie will oder nicht, stellt sich nicht – die Kinder gehören zum Mann dazu.

Tipps & Tricks für ein liebevolles Miteinander

In seinem Buch „Aus Stiefeltern werden Bonus-Eltern“ (Chancen und Herausforderungen für Patchwork-Familien, Kösel Verlag, 128 Seiten, 15,99 Euro) beschreibt Jesper Juul, dass es kein Patentrezept gebe, welches das Zusammenleben mit Stiefkindern zum Kinderspiel mache. Stattdessen brauche es für den Familienexperten folgende Voraussetzungen für ein funktionierendes Miteinander: Liebe, Verantwortungsgefühl, Konfliktfähigkeit und den Willen zu persönlicher Entwicklung. Wie das in der Praxis aussehen kann? Diese Tipps können helfen!

 

Ehrlich währt am längsten

Versuchen Sie gar nicht erst, sich mit Geschenken oder übertriebener Aufmerksamkeit einzuschmeicheln. Kinder haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob man es ehrlich mit ihnen meint. Bleiben Sie natürlich, gehen Sie auf die Kinder zu, ohne sich aufzudrängen und geben Sie der Entwicklung einer Beziehung Zeit und Raum. Natürlich sind die Kinder, auch wenn sie erst einmal ablehnend reagieren, neugierig auf Sie. Erzählen Sie von sich und geben Sie ihnen so die Chance, Sie besser kennenzulernen.

Vater wird von seinen Kindern begrüßt


Dosieren Sie Ihre Anwesenheit

Sie sind verliebt und möchten natürlich so viel Zeit wie möglich mit Ihrem neuen Partner verbringen. Seien Sie jedoch gerade in der Anfangszeit nicht allzu oft präsent in der neuen Familie. Die Kinder könnten das Gefühl bekommen, dass sie nicht mehr die Nummer eins im Leben ihres Vaters sind und sich vernachlässigt fühlen, was nach einer Trennung besonders schmerzhaft ist.

 

Andere Familien, andere Sitten

Ob Tischmanieren, Schlafenszeiten, Medienkonsum oder das Thema Ordnung  –  diese Bereiche bieten jede Menge Zündstoff! Nichtsdestotrotz sollten Sie versuchen, sich nicht in die Erziehung des leiblichen Elternteils einzumischen. Auch wenn’s schwerfällt: Akzeptieren Sie die Gegebenheiten und ordnen Sie Ihre eigenen Vorstellungen unter. Laut Jesper Juul dauert es Jahre, bis Sie die Erziehung mitgestalten können –  hier lohnt es sich, geduldig zu sein.

 

Finden Sie Ihre eigene Position

Die Rolle der Mutter ist bereits vergeben. Jetzt müssen Sie Ihre eigene Position finden, zum Beispiel die der erwachsenen Freundin. Auch hier heißt es, Geduld zu haben, bis die Kinder Vertrauen zu Ihnen fassen. Wichtig: Vertrauen braucht Verlässlichkeit. Nehmen Sie Vereinbarungen ernst und lösen Sie Versprechen unbedingt ein.

Frau und Mädchen sitzen im Café

 

Zeit miteinander verbringen

Sich in verschiedenen Situationen zu erleben und gemeinsam Spaß zu haben, ist das A & O für eine positive Entwicklung der Beziehung. Ob ein kleines Mittagessen oder ein spontaner Zoo-Besuch – schnappen Sie sich die Kinder nach der Schule und unternehmen Sie gemeinsam etwas, und zwar ohne Partner. So können Sie sich ganz aufeinander konzentrieren.

 

Die Krux mit der Ex

Die Ex-Partnerin wird durch die Kinder immer eine Rolle in Ihrem Leben spielen. Jesper Juul empfiehlt, so früh wie möglich ein Treffen zu arrangieren. Haben Sie ein offenes Ohr und Verständnis für die Ängste oder Wünsche der Ex-Partnerin und sprechen Sie gemeinsam über Erwartungen, wie viel Kontakt Sie brauchen, über Notfallpläne in Krankheitsfällen sowie über Kommunikationskanäle. Ganz klar: Zu viel Kontakt ist in dieser Situation nicht gut.

 

Etwas Neues entsteht

Bis Sie mit Ihrem Partner und den Kindern zu einer neuen Einheit zusammenwachsen, braucht es viel Zeit. Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck, gleich perfekt zusammen funktionieren zu müssen. Im Laufe der Zeit werden Sie eigene Rituale entwickeln und das Zusammensein als etwas Selbstverständliches betrachten.

Wenn es nicht funktioniert

Leider funktioniert eine Patchwork-Familie nicht immer. Beispielsweise kann eine dauerhafte Ablehnung durch die Kinder eine Beziehung stark belasten oder sogar zerstören. Wenn Ihre Liebe stark genug ist, lohnt es sich, zu kämpfen. Hilfe gibt es bei Familienberatungsstellen. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über die Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Autorin: Sonja Both

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