Frau denkt nach und beobachtet den Sonnenuntergang Frau denkt nach und beobachtet den Sonnenuntergang Traum geplatzt?
Warum das für uns manchmal wichtig ist

Ziele zu haben ist gut – sie sind der Motor, der uns antreibt. Aber manchmal hält das Leben ein Stoppschild davor. Das Gute ist, Sie können lernen, das als Chance zu sehen.

Steuerberaterin zu sein, war der große Traum von Kerstin K.* Die Anwältin arbeitete in einer angesehenen Wirtschaftskanzlei und würde durch den zusätzlichen Titel einen großen Karriereschritt machen. Und die Firma unterstützte sie, zahlte die Prüfungsgebühren und gab ihr eine Auszeit fürs Lernen. Aber sie fiel durch. Doch sie gab nicht auf und sagte sich, dass sie nur härter kämpfen müsse. Das nächste Mal zahlte sie alles selbst und investierte mehr Zeit. Mit dem Ergebnis, dass sie wieder durch die Prüfung fiel. Und drei Jahre später noch einmal. Damit war die letzte Chance vertan, denn nach dem dritten Versuch durfte sie nicht mehr antreten. Was ihr blieb? Zehn Jahre Arbeit ohne Ergebnis, ein Kredit, den sie abbezahlen musste, ein Job, bei dem sie nicht mehr vorankam und vor allem ein richtig mieses Gefühl.

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Wofür das alles? Wenn das Schicksal ein Richter wäre, wie würde er das diesen Menschen erklären? Leuten, die hart arbeiten und ein Ziel vor Augen haben. Oder anderen, die nie den Job bekommen werden, den sie gern hätten, nicht den idealen Partner oder eigene Kinder.

Erwartungen aufzugeben, ist schmerzhaft. Unsere größten Hoffnungen können leider auch die schlimmsten Krisen verursachen. Doch darin liegt am Ende die Chance. Denn mit der Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, wachsen wir.

Das Stichwort lautet Resilienz. Der Begriff stammt aus der Wissenschaft und meint die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen und sie als Entwicklung zu verstehen. Resilienz ist bei Menschen ganz unterschiedlich ausgeprägt. Aber egal, wie viel Krisenbewältigungspotential man mitbringt, man kann sie später auch trainieren.

Die vier Phasen der Krise

Wie genau geht das? Zunächst hilft es, sich anzuschauen, in welche Phasen eine Krise aufgeteilt ist. Über welchen Zeitraum sie sich jeweils erstrecken, ist ganz individuell.

Verleugnung
Ein natürlicher Schutzmechanismus: Der Betroffene ist geschockt, macht dicht und will das Geschehene nicht wahrhaben.

Ansturm der Gefühle
Irgendwann kommt es doch: Die Gefühle brechen sich Bahn und lösen Wut, Trauer und Verzweiflung aus.

Neuausrichtung
Es geht wieder bergauf: Betroffene suchen nach Auswegmöglichkeiten oder Alternativen. Das kann eine Trennung sein, aber auch die Besinnung auf die wahren Wünsche.

Neue Balance
Die Krise ist gemeistert: Krisenerschütterte haben sich mit der Situation arrangiert. Die Erinnerung daran schmerzt noch, aber gleichzeitig sind neue Werte und Bewältigungsstrategien gewonnen worden.

Wer sich in allen vier Phasen wiedererkennt, hat eine ausgeprägte Fähigkeit zur Resilienz. Es kommt allerdings häufiger vor, dass Menschen gewissermaßen erstarren und nicht über Phase eins oder zwei hinauskommen. Aber das ist kein Makel. Denn das Gefangen-Sein in einer Krise ist kein Anzeichen von Schwäche, sondern von Empfindsamkeit, über die man sprechen darf.

Einen Schritt zurück, zwei vor – aus Krise wird Chance

Frau genießt den Wind


Die Psyche ist immer lernfähig. Man kann gewisse Verhaltens- und Denkmuster trainieren, so auch die Resilienz. Sie wird eigentlich im Kindesalter ausgebildet, zu spät ist es dafür aber nie. Und diese Maßnahmen helfen, wenn Sie diesen Weg gehen wollen:

Lassen Sie Ihre Gefühle zu!
Denken Sie lösungsorientiert!
Nehmen Sie Hilfe von außen an!
Betrachten Sie sich nicht als Opfer der Umstände, sondern als handelnde Person!
Suchen Sie im Rückblick nach einem tieferen Sinn der Krise!

Was außerdem hilft: Überlegen Sie sich, was Sie einer anderen Person raten würden, die in der gleichen Situation steckt wie Sie. Eine veränderte Perspektive wirft gleich ein ganz anderes Licht auf die eigene Lage.

Ich 2.0 – neue Stärke, neue Prioritäten

Menschen können auf viele verschiedene Weisen an Rückschlägen wachsen. Dadurch kann man das Leben wieder mehr schätzen oder auf die eigenen Bedürfnisse hören. Häufig zeigen Krisen aber auch Wege auf, die man unter normalen Umständen nie beschritten hätte. Wie bei Kerstin K. Die Anwältin gründete eine eigene, kleine Kanzlei und berät heute Menschen in Rechtsstreitigkeiten und Steuerfragen. Ihr ist klar geworden, dass sie die Hektik einer großen Kanzlei gar nicht braucht. Viel lieber berät sie einfache Privatleute und hat den direkten Kontakt. Ein Traumberuf, den sie ohne die Krise nicht entdeckt hätte.

*Name von der Redaktion geändert.

Autorin: Natalia Kippert

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