VICTORIA EMPFIEHLT
Ordnung schaffen – zu Hause und im Leben
Aufräumberaterin Gunda Borgeest hilft uns dabei, unseren Alltag zu sortieren. Wie? Mit einem individuellen Strukturprinzip
Manchmal stehen wir doch alle vor unserem Kleiderschrank oder den Regalen im Keller und fragen uns, wie um Himmels Willen wir da jemals Ordnung schaffen sollen. Die gute Nachricht: Wir müssen dieses Mammutprojekt nicht allein stemmen. Denn es gibt Menschen wie Gunda Borgeest, die uns dabei helfen. Sie ist mehr als ein Aufräum-Coach, denn sie unterstützt uns dabei, die Dinge klarer zu sehen. Ihr Credo: „Ordnung ist etwas sehr Individuelles.“ Hier kommt ihre Geschichte – mit vielen Tipps natürlich.
Ordnung schaffen – Gunda Borgeest geht es an
Als ihre Kinder groß sind, möchte Gunda Borgeest endlich wieder Vollzeit arbeiten. Optimistisch bewirbt sich die damals 49-Jährige auf Stellen im Kulturbereich. Sie bekommt nur Absagen. Eine befreundete Personalmanagerin spricht Klartext: Sie sei leider zu alt für die ausgeschriebenen Stellen. „Das war ein totaler Schock. Ich habe gespürt, wenn ich jetzt falsch abbiege, dann lande ich in einer Sackgasse, im schlimmsten Fall in einer Depression“, sagt sie rückblickend. Ohne Familie und Freunde hätte sie es nicht geschafft. Sie sagen: „Gunda, wir glauben an Dich. Finde deine Idee“.
Ein Geschenk wird zur Geschäftsidee
Sie fasst einen Entschluss: Sie möchte mit Menschen arbeiten, selbstständig sein und die Welt schöner machen. Eine Freundin wünscht sich zum Geburtstag ein verlängertes Wochenende mit ihr, damit ihre Wohnung ein Wohlfühlort wird. Danach sagt sie: „Das war so toll und befreiend für mich – das musst du hauptberuflich machen, Gunda.“ Dann kam eine neue Anfrage und so wurde aus einem Geschenk eine erfolgreiche Geschäftsidee zum Ordnung schaffen. Das war vor sieben Jahren.
Ordnung schaffen – aber lebendig
Es geht Gunda Borgeest dabei nicht um eine akribische Ordnung. Sie ist Verfechterin einer lebendigen Ordnung, die zu dem jeweiligen Menschen passt. „Wenn ich zu einem Kunden komme, sage ich nicht: Ihre Arbeitsplatte ist so voll, die räumen wir jetzt mal leer. Sondern ich frage: Kochen Sie viel? Brauchen Sie mehr Platz? Benötigen Sie irgendetwas griffbereit? Ich entwickle das immer individuell zusammen mit meinen Kunden“, so beschreibt sie ihre Arbeit.
Ordnung schafft Klarheit
„In unserer Kultur wird leider komplett unterschätzt, was klare Räume, harmonische Plätze, schönes Licht und eine passende Ordnung im Menschen bewirken können. Es macht die Menschen klarer, es lässt sie mehr bei sich sein. Weil sie geklärt haben: Was brauche ich – und was brauche ich nicht mehr. Wo stehe ich im Leben? Und wo will ich hin? Die äußere Ordnung reflektiert auf die innere Ordnung. Das Schönste ist, wenn ich bei meinen Kunden miterlebe, wie das Äußere, das Innere in positiver Hinsicht verändert“, stellt sie glücklich fest. „Beim Ordnung schaffen bin ich oft Zeugin tiefer Befreiungsprozesse.“
Ordnung schaffen in der Krise
Sie begleitet auch Menschen in Krisensituationen, etwa nach einer schweren Krankheit oder dem Verlust eines geliebten Menschen. Diese Kunden möchten ihr Leben neu ordnen und stabilisieren. Oder sie hilft Familien. Dann wird gemeinsam die Woche strukturiert, über Vorratshaltung und Wäscheberge gesprochen oder über die Verteilung von Aufgaben diskutiert. „Das Aussortieren, das Loslassen steht immer am Anfang des Ordnungsprozesses“, sagt sie.
Zuerst entwickelt sie gemeinsam mit dem Kunden einen Plan für die Tiefenreinigung, der nach und nach abgearbeitet wird. In der ersten Bestandsaufnahme steht alles, was verändert und wo Ordnung geschaffen werden soll. Ob nun die Schuhe ein neues Regal brauchen, die Küche mehr Übersicht oder die Wand ein neues Bild.
Nach jeder erledigten Etappe stellt sich Zufriedenheit ein. Gunda Borgeest: „Dieses Glücksgefühl brauchst du für die nächste Etappe. Und bleib dran. Mit fünf bis sechs Stunden pro Woche kommst du wirklich voran. Das Ziel: Nur noch Dinge zu behalten, die du brauchst, die du magst und für die du genug Platz hast.“
Die zwei Grund-Ursachen für Unordnung
Gunda Borgeest unterscheidet zwischen Ordnung und Aufräumen. Ordnung schaffen ist ein individuelles Strukturprinzip und man räumt auf, um diese Struktur beizubehalten. „Es gibt zwei Grundursachen
für Unordnung:
1. Wir besitzen zu viel und
2. die Dinge, die wir besitzen, haben keine Heimat“, erklärt sie.
Ihr Rat: „Sortiere Unnötiges aus und finde für alles Übrige einen festen Platz.“ Wenn du diese beiden Punkte befolgst, folgt Schritt für Schritt auf die äußere auch die innere Ordnung – davon ist Gunda Borgeest überzeugt. Wichtig ist ihr, Dinge nicht einfach wegzuwerfen. „Vieles kann man spenden oder verschenken und damit andere Menschen glücklich machen.“

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