Ein Lebenstraum geht in Erfüllung: Gastgeber im eigenen Schloss

Familie
2/11/2020
Marion und Karl Geyer gehen ganz in ihrer neuen Rolle als Gastgeber auf Schloss Rogäsen auf – über einen Lebenstraum und den Neuanfang.

Alles auf Anfang zurückdrehen und noch einmal ganz frisch anfangen – davon träumen viele. Marion Geyer hat es gewagt und sich ihren Lebenstraum erfüllt: Mit ihrem Mann Karl erweckt sie ein Anwesen in Brandenburg zu neuem Leben.

Der Lebenstraum von Gestaltungsfreiheit

Eine liebevoll restaurierte Jugendstilwohnung in der Nürnberger Altstadt, ein spannender Job als Marketing-Chefin, eine harmonische Beziehung – eigentlich war in Marion Geyers Leben alles perfekt. „Aber eines Tages kam die Frage auf: Was nun?", gibt die 52-Jährige zu. „Uns fehlte Raum zum Gestalten. Außerdem vermisste ich zunehmend das Grün, einen eigenen Garten."

Ein Lebenstraum geht in Erfüllung: Gastgeber im eigenen Schloss

Mit der zwischenzeitlichen Lösung – ein gepachteter Garten am Stadtrand – wurden Marion und ihr Mann Karl nicht glücklich. „Die Balance stimmte nicht. Du fährst freitags raus, arbeitest und wenn alles schön ist, fährst du wieder", sagt sie. „Der Garten wurde nicht Teil unseres Lebens. Wir hatten die richtigen Bausteine, aber sie passten nicht zusammen. "Die Suche nach Balance, die richtige Energiebilanz, wie sie es nennt, ist Marion Geyer wichtig. Idealerweise, sagt sie, sollte man immer mindestens so viel zurückbekommen, wie man in eine Sache hineingibt. „Stimmt die Balance nicht, macht das unzufrieden. Oft sind nur kleine Anpassungen nötig, manchmal aber braucht es große", sagt sie.

Liebe auf den ersten Blick: „Das Schloss hat auf uns gewartet."

Damals, vor sieben Jahren, brauchte es eine große Veränderung: Ein Haus im Grünen sollte es sein. Eines mit ordentlich Geschichte und viel Platz. „Die Idee, ein historisches Haus wieder zum Leben zu erwecken und dort gemeinsam zu leben und zu arbeiten, ließ uns nicht los", erinnert sich Marion Geyer. „Karl träumte insgeheim von einem Park mit alten Bäumen. Den hat er jetzt." Das Paar stieß im Internet auf das Inserat für das Schloss Rogäsen, fuhr nach Brandenburg und verliebte sich auf der Stelle. Selbst das marode Dach, das feuchte Mauerwerk und die graue DDR-Rauputzfassade des damals recht desolaten Anwesens konnten die beiden nicht schrecken. Sechs Wochen später stand der Kaufvertrag. „Es war, als hätte das Schloss auf uns gewartet", sagt Marion.

Ein Lebenstraum geht in Erfüllung: Gastgeber im eigenen Schloss

Historische Mauern wiederbeleben

Geschichte gibt es in Rogäsen reichlich. Um 1765 – so steht es auf dem Wappenrelief – baute sich ein späterer preußischer Minister auf den Grundmauern eines alten Ritterguts ein Haus mit zwei Seitenflügeln und Blick auf das weite Fiener Bruch. „Vorbild waren die toskanischen Barockvillen", erklärt Karl Geyer.

Friedrich der Große war hier ein häufiger Übernachtungsgast, Napoleons Soldaten zerstörten um 1810 den östlichen Seitenflügel, Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der 5,5 Hektar große Lenné-inspirierte Landschaftspark angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das geplünderte Haus in rascher Folge russische Kommandantur, Flüchtlingsheim, Kindergarten und polytechnische Oberschule.lebenstraum-schloss

Nichts überstürzen: Lebenstraum vom Schloss auf soliden Füßen

Obwohl das Schloss damals förmlich danach rief, ein Ort für Feste, Konzerte, Ausstellungen und Lesungen zu werden, hatten Marion und Karl Geyer nach dem Kauf in aller Ruhe mit dem Architekten Gerald Kühn von Kaehne ein solides Sanierungs- und Nutzungskonzept für das 1.150 Quadratmeter große Haus und den verwilderten Landschaftspark erstellt. „Wir sind beide eigentlich gern mit doppelter Drehzahl unterwegs, aber wir wollten nichts überstürzen." Anfang 2014 präsentierten sie in Rogäsen auf einer Bürgerversammlung den Bewohnern des Ortes ihr Konzept. Fast alle kamen. Nachfragen gab es keine, erinnert sich Marion Geyer. „Nur Begeisterung und Applaus."

Danach wurde gependelt. Jahrelang. „Wir waren ja beide beruflich noch voll in Nürnberg eingespannt", erzählt Karl Geyer, der nach seiner Pensionierung als Kriminalbeamter vor drei Jahren als Erster der beiden ganz nach Rogäsen zog, um die Handwerker zu betreuen oder mit der Kettensäge die Bäume zu lichten und die alten Sichtachsen im Park wiederherzustellen. „Sicher, die Zeit war anstrengend, aber spannend", sagt Marion Geyer, die erst im vergangenen Januar komplett nach Brandenburg gezogen ist.

Ein Lebenstraum geht in Erfüllung: Gastgeber im eigenen Schloss

Hochzeitskulisse: Gastgeber für Trauungen

Die Idee, neben kleineren Veranstaltungen und Konzerten im Schloss auch ein Trauzimmer einzurichten, kam Marion und Karl Geyer recht früh. „Für rauschende Hochzeitsfeste ist das Haus nicht geeignet, für romantische standesamtliche Trauungen jedoch ist es perfekt", sagt Karl Geyer. Inzwischen kommen um die 30 Paare – in kleinerer oder auch in größerer Gesellschaft – pro Jahr, Tendenz steigend.

Marions Tipps: Das Leben in Balance bringen
  1. Energiebilanz prüfen Es sollte stets so viel zurückkommen, wie man rein gibt. Das gilt für Geld und für Emotionen, für den Job und für Partnerschaften. Stimmt die Bilanz nicht, muss man etwas ändern.
  2. Ruhig zuhören
  3. Besonders wichtig in der Partnerschaft: Bei unterschiedlichen Ansichten zahlt es sich aus, Aussagen erst mal wertfrei stehen zu lassen. Einfach ist das nicht, vor allem wenn Emotionen hochkochen.
  4. Prioritäten setzen
  5. Wie wichtig ist mir das, wie wichtig ist es dem anderen? Können wir uns irgendwo treffen? Oder ist es sinnvoll, die Entscheidung zu vertagen? Viele Konfliktpunkte lösen sich von allein, da sich Dinge ganz anders entwickeln, als man denkt
Und nach Baustelle sieht es im Schloss Rogäsen längst nicht mehr aus: Der Rauputz ist einer sandfarbenen Fassade nach historischem Vorbild gewichen, im Seitenflügel stehen drei mit ausgesuchten Antiquitäten möblierte Gästezimmer bereit, Frühstück inklusive. Auch festliche Abendessen sind mit der Unterstützung von handverlesenen Cateringunternehmen im Angebot. Die studierte Foto- und Grafikdesignerin ist eine leidenschaftliche Gastgeberin und hat einige Tipps für Sie parat. „Ich weiß, dass es passt, wenn sich alle wohlfühlen, die Gäste und wir auch."

Neue Ideen und Pläne: Ein Lebenstraum nimmt Gestalt an

Sorgen, dass ihnen in Rogäsen die Herausforderungen ausgehen, hat Marion Geyer nicht. Ständig probiert das Paar neue Ideen aus – von den patentierten Rogäsener Schlosswaffeln, den Rogäsener Wurstspezialitäten von im ehemaligen Schlosspark erlegten Wildschweinen bis hin zur Rogäsener Schlossweihnacht. „Bei manchem stimmt die Energiebilanz noch nicht, aber wir bleiben dran", sagt die Hausherrin. Auch für Haus und Park gibt es noch viele Pläne: Da ist die Ferienwohnung im alten Gutsbedienstetenhaus, der einstige Badeteich, der aber vielleicht doch ein Springbrunnen wird, die Orangerie an der südlichen Stützmauer des Gartens – und vielleicht reicht irgendwann die Zeit für den eigenen Gemüsegarten.