Wie Sie Mansplaining erkennen und selbstbewusst kontern

Familie
3/02/2020
Manche Männer erklären Frauen gern die Welt und glauben, sich dort im Gegensatz zu ihnen perfekt auszukennen: Aber nicht mehr mit uns!

Im Büro, beim Familienessen, im Fitnessstudio: Sie sind überall – Männer, die ungefragt ihr Wissen preisgeben. Lang, ausführlich und natürlich umfassend. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann waren auch Sie wohl bereits Zeugin von Mansplaining. Dieses Wort bezeichnet die meist herablassenden, besserwisserischen Erklärungen eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, mehr über einen Sachverhalt zu wissen, als sein – meist weibliches – Gegenüber. Das ist nicht nur nervig, sondern kann auch ganz schön anstrengend werden. Wie Sie Mansplaining erkennen, in Zukunft mit den Besserwissern umgehen und Schlagfertigkeit lernen – wir haben ein paar Tipps für Sie

Mansplaining: Daher kommt der Begriff

  • Das Wort Mansplaining (Deutsch: eine Zusammensetzung der Wörter „Mann“ und „erklären“) entstand im Jahr 2008.
  • Als Erfinderin der Definition gilt die amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit, die ihr Essay „Men Explain Things to Me“ („Männer erklären mir Sachverhalte“) damals in der LA Times veröffentlichte.
  • Dieses war so erfolgreich, dass daraus später sogar ein komplettes Sachbuch entstand (Rebecca Solnit, „Wenn Männer mir die Welt erklären“, Hoffmann und Campe, 2015).
  • Solnit berichtete darin von einer Party, auf der ihr ein älterer Herr in Oberschullehrer-Manier ein Buch erklärte und sich dabei auch trotz mehrerer Versuche nicht unterbrechen ließ. Ungünstig für den Mann: Das Buch, über das er die Autorin belehrte, war von ihr selbst verfasst worden.
  • Übrigens gebrauchte Rebecca Solnit in ihrem Essay hierüber das Wort „Mansplaining“ nicht – es entstand erst danach im Internet.

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Mansplaining: Besserwisser erkennen

Natürlich ist nicht jeder Mann, der etwas zu erklären versucht, des Mansplainings schuldig oder automatisch ein Besserwisser. Dieser Begriff bezieht sich lediglich auf die Männer, die einer Frau einerseits etwas erklären und ihr andererseits die Expertise absprechen. Sie belehren das weibliche Gegenüber, weil sie automatisch davon ausgehen, mehr über einen Sachverhalt zu wissen, als die Frau. Manche Frauen fühlen sich dadurch eingeschüchtert – schließlich berichten die jeweiligen Mansplainer oft so im Brustton der Überzeugung von ihren Erfahrungen, dass es verunsichern kann.

Die britische Autorin Kim Goodwin hat via Twitter einen Leitfaden geteilt, wie Männer ihr eigenes Mansplaining erkennen. Dabei gebe es drei zentrale Fragen, die sie sich stellen sollten, so Goodwin:
  • Ist meine Erklärung erwünscht?
  • Ist die Einschätzung der Kompetenz meines Gegenübers korrekt?
  • Wie beeinflusst meine Befangenheit oder Sozialisierung meine Interpretation der ersten beiden Fragen?
Frauen

Schlagfertigkeit lernen: So stoppen Sie Mansplainer

Besonders im Beruf ist das Mansplaining anstrengend und zeitraubend. Und Sie kommen oft nicht drum herum: Stoppen lässt es sich in den meisten Fällen ausschließlich durch Gegenwind. Denn das Mansplaining funktioniert nur, solange der Erklärende auch jemanden hat, der ihm – möglichst ohne Widerspruch – zuhört.

Oft passiert Mansplaining tatsächlich unbewusst, und sehr häufig steckt dahinter ein traditionelles Rollenbild mit entsprechender Sozialisierung. Diese haben wir auch heute noch nicht ganz überwundern. Aber wenn wir immer nur zuhören, nett lächeln und nicken, wird sich daran nichts ändern. Unsere Tipps:
  • Machen Sie sich nicht klein und teilen Sie Ihr Wissen mit. Beispielsweise so: „Lassen Sie mich meine Ausführungen zu Ende bringen. Danke, dass Sie mich ausreden lassen …“.
  • Sprechen Sie den Mansplainer direkt auf sein Verhalten an. Wichtig: Senden Sie dabei Ich-Botschaften: „Mir ist aufgefallen, dass …“.
  • Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Stellen Sie stattdessen Fragen, die den Erklärenden herausfordern. Unterbrechen Sie, fragen Sie „Warum?“, „Weshalb?“ oder „Wie funktioniert das im Detail?“. Zumeist haben Sie es nämlich nicht mit echten Experten zu tun, sondern mit Männern, die sich für einen solchen halten. Haken Sie auch gern nach, wie lange sich Ihr Gegenüber bereits mit diesem Thema beschäftigt und ob er Ihnen passende Fachliteratur ans Herz legen kann. Spoiler: Kann er meistens nicht.
  • Stellen Sie dem Besserwisser eine direkte Gegenfrage: „Wie kommen Sie auf die Idee, dass Sie mir diesen Sachverhalt erklären müssen?“
  • Manchmal hilft es, das Gegenüber abzuwürgen. Oft kennen wir unsere Pappenheimer doch ganz gut und wissen, wer gern zu einem langen Vortrag ansetzt. Machen Sie klar, keine Zeit hierfür zu haben.
Schon gewusst? Auch Always setzt sich für starke, selbstbewusste Frauen und Mädchen ein – mit der Kampagne #LikeAGirl #WieEinMädchen. Damit sagt Always Nein zu Geschlechterklischees und definiert das klassische Rollenverständnis komplett neu.

Denken Sie an Ihre Kompetenzen

Resignieren Sie nicht, falls Sie in einer bestimmten Situation nicht so souverän reagiert haben, wie Sie es eigentlich vorhatten. Mit Schlagfertigkeit ist es wie mit fast allen Dingen im Leben – manche Menschen sind Naturtalente, andere müssen erst einmal üben. Schauen Sie sich dazu Ihre Verhaltensmuster an und spielen Sie Situationen erneut durch: Was hat Sie gebremst, was möchten Sie beim nächsten Mal besser machen? Legen Sie sich Antworten zurecht – so lässt sich Schlagfertigkeit lernen. Führen Sie sich zudem Ihre Kompetenzen auf dem jeweiligen Gebiet vor Augen. So werden Sie schlagfertiger und selbstsicherer.

Haben Sie Mansplaining bereits selbst erlebt? Berichten Sie uns davon gern in den Kommentaren!