Beziehungsstatus: frei und ungebunden – na und?

Familie
30/10/2020
Désirée spielt mit der Kamera, lacht, posiert und tanzt – es ist Lebensfreude pur. Doch auch die selbstbewusste Frau mit sicherem Geschmack für alles Schöne kennt das unangenehme Gefühl. Wenn Menschen ihr persönliche, teils abschätzige Fragen stellen: „Bist du sicher, dass du in dem Alter noch mal neu beginnen willst?", „Findest du nicht, dass dieser Look unpassend für dich ist?" „Ich denke, dass solche Fragen noch nicht mal böse gemeint sind – dennoch sind sie anmaßend und übergriffig", sagt die 52-Jährige. So wie Désirée geht es vielen Frauen. Immer wieder müssen sie sich rechtfertigen: für ihren Job, für ihr Aussehen, für ihre private Lebensplanung, für ihren Lifestyle. Nicht nur ungebundene Frauen mittleren Alters werden größtenteils noch argwöhnisch beäugt, sondern auch die sogenannten Cougar – Frauen mit wesentlich jüngerem Partner.

Beziehungsstatus und Lebensplanung: Jede zweite Frau kennt übergriffige Fragen

Eine Studie von YouGov im Auftrag von Always hat ergeben, dass der gesellschaftliche Druck auf Frauen jeden Alters enorm ist. Always möchte mit der Kampagne #dubistdieantwort auf vorhandene gesellschaftliche Erwartungshaltungen gegenüber Frauen aufmerksam machen und zeigen, dass man sich von diesen nicht verunsichern lassen soll. Auch wenn das nicht immer leichtfällt.

Tipp: Wie Sie auf übergriffige Fragen zu Lebensplanung und Beziehungsstatus am besten reagieren, lesen Sie in unserem Experten-Interview. Auch Mansplaining können Sie selbstbewusst kontern.

Beziehungsstatus: frei und ungebunden – na und?

„Vertraut auf eure innere Stimme!"

Désirée Edelbluth (52) hat die Provinz hinter sich gelassen. „DESIREE EDELBLUTH – le bonheur" steht über der Tür ihres neuen Beautysalons in Berlin-Charlottenburg. Dort bietet sie Beauty-, Wellness- und Farbberatungen an.

Umzug nach Berlin: Mut bei der Lebensplanung

Désirée Edelbluth, sie ist freie Visagistin, stammt aus Aalen. In dieser provinziell geprägten Gegend fühlte sie sich manchmal wie ein Fremdkörper. Als sie sich vor drei Jahren entschied, ihren Beautysalon „Zauberstätte" aufzugeben, um in die Großstadt zu ziehen, führte das zu Fragen wie „Warum bist du nicht zufrieden? Du hast doch alles hier." Doch sie hatte sich den Schritt gut überlegt. Sie will noch mal etwas Neues beginnen.

Inzwischen lebt sie in Berlin. Im kreativen Umfeld der Hauptstadt blüht sie auf, lernt Tango, trifft Kreative. „Ich merke, wie schnell ich mit anderen in Kontakt komme, wie herrlich bunt und farbig die Menschen, ihre Gedanken und Stile sind." Sie nimmt an Videoproduktionen und Kunstaktionen wie „Berlin Chairart" teil. Inzwischen hat sie auch Räumlichkeiten für einen neuen Beautysalon gefunden. Was sie anderen Frauen mitgeben möchte: „Vertraut euch. Seid ihr selbst und orientiert euch an nichts anderem als an eurem Gefühl."

Beziehungsstatus ungebunden: „Ich würde jeden Tag wieder so leben."

Auch Frauke Thiesen nickt wissend. Übergriffige Fragen kennt sie nur zu gut. Als IT-Spezialistin bei einem internationalen Softwarehaus managt sie große Projekte, leitet weltweit Teams. Provokante Fragen wie die eines Beraters, wie denn eine Frau bitte schön ein so großes Projekt leiten könne, ignoriert sie. „Meine langjährigen Kunden und Kollegen wissen, was ich kann. Ich sowieso", lautet ihr trockener Kommentar.

Beziehungsstatus: frei und ungebunden – na und?

„Es gibt kein Standard-Rollenmodell für Frauen."

Frauke Thiesen (57) hat sich in der IT-Branche einen Namen gemacht, liebt spektakuläre High Heels und hat ein Faible für rosa Prosecco.

Auch privat stößt ihr Lebensmodell nicht immer auf Verständnis. „Ich habe nie mit dem Vater meiner inzwischen erwachsenen Tochter zusammengelebt. Ich wollte keine Kompromisse eingehen, die ich nicht vor mir selbst hätte verantworten können. Für mich fühlte sich diese Entscheidung immer richtig an", sagt sie. Die Ratschläge von Außenstehenden reichen von "Wieso arbeitest du nicht weniger?" bis zu „Warum heiratest du nicht reich?"

Weder das eine noch das andere waren je eine Option. „Ich liebe meinen Beruf", sagt Frauke, „ich entwickle mich fachlich und persönlich stetig weiter." Als Frau fühle sie sich mehr denn je frei und ungebunden. „Ich kann alles machen, was ich möchte. „Reisen, Freundinnen treffen, Skifahren, Cabrioausflüge – „all dies ist möglich, ohne dass ich jemandem Rechenschaft ablegen müsste." Ob sie in ihrem Leben etwas ändern würde? „Nein, ich würde jeden Tag wieder so leben", bekräftigt sie. „Es gibt kein Standard-Rollenmodell für Frauen – es gibt nur das Leben, was dir guttut."