Plant-for-the-Planet-Gründer Felix Finkbeiner im Interview

Plant-for-the-Planet-Gründer Felix Finkbeiner im Interview

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1.000 Milliarden Bäume möchte der Klimaaktivist mit Hilfe vieler anderer bis 2030 pflanzen. Dank der FAIR-Initiative sollen nun mindesten 30.000 dazukommen.
Fairy setzt sich mit der FAIR-Initiative für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein und unterstützt die Stiftung Plant-for-the-Planet bei Projekten der nachhaltigen Wiederaufforstung. Gründer der Kinder- und Jugendinitiative ist Felix Finkbeiner. Mit gerade einmal neun Jahren hatte er 2007 die Idee, mit Wiederaufforstung dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken. Bis heute wurden durch seinen Einsatz und den zahlreicher Helfer*innen an den Baumzähler von Plant-for-the-Planet bereits 13,6 Milliarden Bäume weltweit gemeldet. Im Interview mit for me erklärt Felix Finkbeiner, was ihn damals zur Gründung seiner Initiative bewegte und welche Ziele er für die Zukunft hat.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Initiative Plant-for-the-Planet ins Leben zu rufen?

Felix Finkbeiner: Als ich neun Jahre alt war, bat unsere Lehrerin uns, mehr über die Klimakrise herauszufinden. Ich sollte ein Referat halten. Bei der Vorbereitung las ich von Wangari Maathai, einer kenianischen Professorin und späteren Friedensnobelpreisträgerin, die mit Frauen in vielen Ländern Afrikas in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Das hat mich ungemein beeindruckt: Eine so simple Idee, die uns helfen kann, unsere Zukunft zu retten. Ich sagte zu meinen Mitschülern am Ende des Referats: „Lasst uns Kinder in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen!“ Und so ging es los.

Was unterscheidet Plant-for-the-Planet von anderen Organisationen mit einem ähnlichen Ziel?

Felix Finkbeiner: Bei uns sind Kinder und Jugendliche aktiv. Die Kinder halten Vorträge, auch vor Unternehmern und Politikern. Sie sagen: Es geht hier um unsere Zukunft, nichts weniger. Das geht jedem unter die Haut: Da traut sich ein Kind auf eine große Bühne und spricht eine Wahrheit aus, die jeder im Saal kennt, aber viele auch verdrängen! Weil wir alles junge Leute sind, haben wir jetzt auch eine App zum Bäumepflanzen entwickelt. Dort können Menschen, die gern für Bäume spenden wollen, unter Pflanzprojekten aus der ganzen Welt auswählen. Die Spenden gehen eins zu eins an das Pflanzprojekt. Wir verlangen keine Gebühr, weil wir wollen, dass so viele Bäume wie möglich gepflanzt werden.

Das Ziel Eurer Trillion Tree Campaign ist sehr ambitioniert. Denkst Du, dass sie wirklich etwas verändern kann?

Felix Finkbeiner: Absolut! Ich war 13 Jahre alt, als ich vor den Vereinten Nationen am Hauptsitz in New York sprechen durfte. Damals, im Februar 2011, sagte ich: „Mit vereinten Kräften, Alt und Jung, Reich und Arm, können wir 1.000 Milliarden Bäume pflanzen, wir können die Trillion Tree Campaign starten.“ Es klingt erst einmal riesig: 1.000 Milliarden Bäume. Aber wenn man es runterbricht, sind es nur 150 Bäume pro Menschen. Weil nicht jeder so viele Bäume wird pflanzen können, sagen wir: Die, die es sich leisten können, sollen 1.000 Bäume pflanzen. Jedes Unternehmen soll für jeden seiner Mitarbeiter 1.000 Bäume pflanzen. Damals, als ich vor der UN sprach, konnte uns kein Wissenschaftler sagen, wie viele Bäume auf der Erde wachsen können. Wir fanden den Umweltwissenschaftler Tom Crowther und überzeugten ihn, dieser Frage nachzugehen. Wir halfen mit, sein Crowther Lab an der ETH Zürich aufzubauen, wo sein Team dann herausfand: 1.000 Milliarden Bäume haben Platz auf der Erde. Nur in der Kombination von Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen und Pflanzen von 1.000 Milliarden Bäumen wird es möglich sein, das 2-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch zu halten.

Plant-for-the-Planet-Gründer Felix Finkbeiner im Interview mit for me.

Welche Bedeutung haben Kooperationen mit Unternehmen für Plant-for-the-Planet?

Felix Finkbeiner: Wir haben bei der Klimakonferenz von Paris im Jahr 2015 gesehen: Das, was alle Regierungen gemeinsam versprechen, reicht nicht aus, um die Erderwärmung zu begrenzen. Selbst wenn alle Versprechen eingehalten werden, laufen wir auf plus 3° C oder sogar plus 4° C zu. Das führt uns in die Klimakatastrophe, und zwar dramatisch, weil Dominoeffekte ausgelöst würden: Zum Beispiel würden die Permafrostböden auftauen und die Treibhausgase Methan und Kohlenstoffdioxid freisetzen, was ein weiteres Aufheizen der Atmosphäre zur Folge hätte. Die Regierungen allein werden es nicht leisten können, erst recht nicht nach dem Kraftakt, den die Corona-Krise für sie bedeutet. Wir brauchen auch die Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und als Vorbilder vorangehen, die ihren Kundinnen und Kunden und Beschäftigten und all den jungen Menschen, die bei Fridays for Future auf die Straße gingen, zeigen: Wir haben verstanden, wir handeln!

Wie sucht Ihr Eure Kooperationspartner aus?

Felix Finkbeiner: Für uns ist ein ehrliches Bekenntnis und eine langfristige Bindung das A und O, denn wir wollen gemeinsam ein dickes Brett bohren. Die zweite Bedingung: Unternehmen sollen Teil einer positiven Kettenreaktion werden, indem sie sich selbst für das Pflanzen von Bäumen engagieren. Eine Möglichkeit ist hier, ihre Kund*innen auf Produkten zum Bäumepflanzen zu animieren. So wie das jetzt Fairy mit seiner Sonderedition des Handgeschirrspülmittels tut.

Was ist das Besondere an der Kooperation mit Plant-for-the-Planet & Fairy? Wieso habt Ihr Euch dazu entschieden?

Felix Finkbeiner: Um unterhalb der Plus-2°-C-Grenze zu bleiben, brauchen wir beides: Wir müssen CO2-Emissionen senken und wir müssen Bäume pflanzen, am besten 1.000 Milliarden bis 2030. P&G übernimmt als Unternehmen insgesamt Verantwortung und hat sich zum Ziel gesetzt, die eigenen Emissionen bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren und die noch nicht vermeidbaren Emissionen durch natürliche Klimaschutzlösungen zu kompensieren. In der Kooperation mit Fairy sehen wir ein mutmachendes Beispiel, das wir uns viel öfter wünschen würden. Bei Fairy ergänzen sich CO2-Reduktion in Produktion, Logistik und beim Gebrauch auf der einen Seite und die Kompensation von CO2-Emissionen auf der anderen Seite. Für uns bei Plant-for-the-Planet heißt das konkret: Im Rahmen der FAIR-Initiative können wir mit Hilfe der Konsument*innen mindestens 30.000 Bäume pflanzen, die CO2 langfristig binden.

Plant-for-the-Planet-Gründer Felix Finkbeiner im Interview mit for me.

Wie kann sich jeder Einzelne durch kleine Veränderungen im Alltag für den Klimaschutz einsetzen?

Felix Finkbeiner: Think global, act global! Weniger Fleisch essen, von fossiler Energie auf Sonnenenergie umsteigen mit Photovoltaik, Elektroantrieb, Bahn statt Flugzeug usw. Das sind alles wichtige Beiträge. Aber das lokale Handeln reicht nicht aus. Wir lösen die Klimakrise nicht allein, indem wir die Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten, sondern wir müssen verhindern, dass die 950 Kohlekraftwerke, die gerade in den 54 Ländern Afrikas geplant und gebaut werden, überhaupt ans Netz gehen. Was für Afrika gilt, gilt analog für Lateinamerika und Südostasien. Wir müssen global handeln! Die Plant-for-the-Planet-App ist ein solcher Einstieg ins globale Handeln. Und da kann jede*r ganz leicht mitmachen, indem er oder sie mit unserer Plant-for-the-Planet-App heute ganz leicht einen kleinen Wald pflanzt. Einfach runterladen, Pflanzprojekt aussuchen und lospflanzen. Erstens kann ich für 100 Euro mit einem Mausklick 100 oder 1.000 Bäume pflanzen und zweitens begreife ich, dass der Baum in Afrika, Lateinamerika oder Südostasien zwei- bis viermal so schnell wächst, als bei uns in Europa., Außerdem schafft mein Wald in den Ländern des globalen Südens Arbeitsplätze und Wohlstand. Und wenn aus dem Baum in 20 oder 30 Jahren ein Holzhaus wird, bleibt der Kohlenstoff im Haus gebunden und ersetzt CO2-intensiven Stahlbeton, der für 11 % der weltweiten Emissionen verantwortlich ist. Kurz: Bäume sind wahre Wunderpflanzen. Wir müssen die Botschaft Plant-for-the-Planet nur an die Menschen bringen.

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