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Nachhaltig leben: Davon verstand Oma was!

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Nachhaltig leben klingt neu, ist aber ein alter Hut. „Victoria“-Kolumnistin Cornelia Mangelsdorf hat es schon bei ihrer Oma erlebt.

Neulich im Hotel. Im Badezimmer prangte dieser Aufkleber: „Helfen Sie mit, Ressourcen zu schonen.“ Die Bitte war, dieselben Handtücher doch am nächsten Tag noch einmal zu nutzen, anstatt sie achtlos auf den Boden zu feuern. Tat ich auch brav – zu Hause wechsle ich die Frotteetücher ja auch nicht jeden Tag.

Nachhaltig leben ist zum Politikum geworden

Inzwischen begegnet uns an allen Ecken und Enden das Thema Nachhaltigkeit. Weil es ein sehr wichtiges ist. Kaum ein Begriff ist in den vergangenen Jahren so oft in den Mund genommen worden. Das Wort steht für verantwortungsvolles politisches, ökologisches und wirtschaftliches Handeln. Und so sind Bekleidungshersteller, Kosmetikkonzerne, politische Parteien oder Autobauer aufgefordert, Ressourcen zu schonen, damit die nachfolgenden Generationen keinen globalen Totalschaden verwalten müssen.

Meine Oma kannte das Thema

Ein ganz klein wenig muss ich jedoch schmunzeln, dass auf einmal so viel darüber geredet wird. Denn der Nachhaltigkeitsgedanke ist eigentlich keine neue Sache. Schon meine Oma kannte ihn bestens. Bei ihr wurde nichts achtlos weggeworfen: Socken wurden x-mal gestopft, zu klein gewordene Strickpullis aufgetrennt, die Maschen wurden aufgezogen und die Wolle wiederverwertet.

Die Sparsamkeit und Genialität von damals

Vorsichtig mit Ressourcen umgehen, das hat mir meine Großmutter beigebracht, „Oma Lieschen“, wie sie die Leute im Dorf nannten. Ich habe sie verehrt: Sie war Bäuerin und eine weise, warmherzige Frau. Neben Canasta, Rommé und Skat spielen hat sie mir noch andere wichtige Sachen beigebracht. Altes, hart gewordenes Brot warf sie nicht weg, sondern würfelte es, röstete es dann in Butter und gab es auf den Grießbrei. Wir Kinder rissen uns um die krossen „Kracherle“. Aus den angefaulten Äpfeln, die wir aufgesammelt hatten, schnitt sie die guten Stellen heraus und machte daraus Apfelmus mit Zimt – die Apfelschalen bekamen die Kühe. Da meine Oma übers Wochenende oft ein Heimkind aufnahm, kam es schon mal vor, dass sie dem Jungen, der samstags im schmutzigen Leibchen ankam, für den Sonntag fix ein weißes Hemd nähte – aus einem Leinenbettlaken.

Verschwendung? Fehlanzeige!

Dinge wiederverwerten. Improvisieren. Umsichtig Neues anschaffen. Bedachtsam mit Lebensmitteln umgehen: Oma hat’s vorgemacht. Die meisten Großmütter der 50-Plus-Generation mussten haushalten, weil das Geld knapp und der Krieg lang war. Wohl dem, der eine lebenskluge Frau zu Hause hatte. Meine Oma erlebte zwei Kriege, zwei Inflationen. Was nachhaltiges Wirtschaften bedeutete, hatte sie verinnerlicht, auch wenn dieses Wort vor gut 40 Jahren keiner kannte. In ihrem Kühlschrank sind nie Vorräte vergammelt, es wurden auch keine Unmengen von Lebensmitteln eingekauft und später weggeworfen, so wie das heute mitunter vorkommt. Gut, dass wir über Dinge wie Überfluss also heute wieder sprechen!

Meine Jugendsünden: von wegen nachhaltig leben

Ich hatte also Glück, weil sie mein Vorbild war. Aber natürlich war auch ich lange Zeit ein ignorantes schwarzes Schaf, das Ressourcen eher verschwendete. Ich war ein Kind des Konsums, mitten hineingeboren in die Zeit der Yuppies: Als 19-Jährige hatte ich mindestens zehn Jeans im Kleiderschrank. Dass das Färben der beliebten blauen Denimhose die Umwelt reichlich belastet, blendete ich aus. Doch es kommt noch schlimmer: Wenn meine neue Jeans zu dunkel war, schrubbte ich sie in der Badewanne mit reichlich Bleichmittelreiniger hell. Umwelt schonen geht natürlich anders. Schäm, schäm, schäm.

Weniger ist mehr – und macht auch weniger Arbeit

Zum Glück wird man mit den Jahren gescheiter. Man braucht weniger, genießt dafür aber intensiver, so geht es zumindest mir. Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück: Bretagne, Wandern am Meer mit Mann und Hund. Ich brauchte für zehn Tage gerade mal zwei Hosen, einen warmen Pulli, feste Schuhe, einen Schal und für abends ein nettes Ausgeh-Oberteil. Meine Socken habe ich abends gewaschen, über Nacht getrocknet und morgens wieder frisch angezogen. Als ich nach Hause kam, konnte ich die neun Paar ungetragenen Strümpfe wieder in den Schrank räumen, genauso wie drei Viertel meines Kofferinhalts. Und weil ich gerade beim Aufräumen war, habe ich die Pulli-Berge und viele andere Kleidungsstücke im Kleiderschrank um die Hälfte reduziert und verschenkt.

Das, was man hat, sollte man wertschätzen, nutzen und pflegen, bevor man etwas Neues anschafft – meine Oma hat es mir vorgelebt. Weniger Geld ausgeben und auf den zwanzigsten Pulli, den dreißigsten Nagellack und das fünfzigste Windlicht verzichten. Das bringt mehr Übersicht im Kleiderschrank und mehr Platz auf der Badezimmerablage und dem Fensterbrett.

Nachhaltig leben ist so viel mehr, als Handtücher im Hotel mehrere Tage zu nutzen! Es hilft, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Danke, Oma!


Tipp der Redaktion
Wenige, gute Stücke im Schrank machen das Anziehen leichter. Voraussetzung: Die Sachen sind top gepflegt. Dabei hilft Lenor Vollwaschmittel, das herrlich und wochenlang duftet.



** im Schrank

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