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Aus zwei mach sechs: Zu Gast bei Familie Kahl

Aus zwei mach sechs: Zu Gast bei Familie Kahl

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„Eine Großfamilie ist alles, was wir immer wollten. Aber manchmal auch ein echter Spagat.“
Gustav hat sich heute Morgen alleine angezogen. Verschlafen und barfuß kommt er die Treppe hinunter, setzt sich wortlos an den langen Esstisch in der Wohnküche. Er lässt sich von seiner Mutter durch die lockigen Haare strubbeln und legt noch mal kurz den Kopf auf die Tischplatte. Seine Schwestern sind schon da, und auch Nesthäkchen Johann sitzt bereits in seinem Kinderstuhl, strampelt mit Armen und Beinen und lässt ein freudiges „Nam-Nam“ ertönen. Was alles meint, was essbar ist – und hoffentlich in Reichweite. In diesem Moment: Hörnchen, Croissants, Reiswaffeln. Bei vier Kindern bleibt nicht immer Zeit für geschnibbeltes Obst, frische Vollkorn-Pfannkuchen oder Birchermüsli. Oft muss es schnell gehen – und unkompliziert schlägt im Zweifelsfall vollwertig und selbstgemacht.
Das betrifft nicht nur das Frühstück, sondern generell das Thema Ernährung. Bei vier Kindern mit unterschiedlichen Vorlieben ist es schwierig, alle zufriedenzustellen.
Die Kahls sind zu sechst: Vater, Mutter, zwei Mädchen, zwei Jungs. Sie wohnen in einem Haus in einem Vorort von Bamberg. Im Wohnzimmer, in den Fluren, im schmalen Treppenhaus schmücken Fotos die Wände: Die ältesten zeigen das junge, ziemlich verliebte Paar, dann ist es zu dritt, zu viert und irgendwann strahlen sechs fröhliche Gesichter von den Bildern.
Heute sind Ferien – das heißt Ausnahmezustand: Alle müssen sich noch daran gewöhnen, dass auf einmal alle zuhause sind und rumbummeln, denn normalerweise ist der Morgen klar durchgetaktet. Frida, mit ihren zehn Jahren die Älteste, geht in Bamberg aufs Gymnasium, nimmt dazu den Stadtbus um 7 Uhr und muss spätestens um sechs Uhr aufstehen. Die siebenjährige Mathilda besucht die Grundschule im Ort. Gustav, der bei der Frage nach seinem Alter vier Finger zeigt, hat in der Nähe seinen Kindergarten. Nur Johann, der im Herbst in die Krippe kommt, bleibt noch zuhause.
Familienchancen zu Gast bei Familie Kahl

Große Aufgabe – großes Familienglück

„Ich wollte immer viele Kinder haben“, erzählt Grete Kahl, die ihrerseits vier Geschwister hat. „Ich war immer ganz gespannt, wie die wohl aussehen und vom Charakter so sind.“ Christian lernte sie kennen, als die beiden zusammen Musik gemacht haben: Sie war die Sängerin in seiner Band. Die beiden wurden ein Paar. Als Grete mit Frida schwanger wurde, studierte sie noch. Drei Jahre später kam Mathilda. Mit den zwei Kindern wagten sie einen großen Schritt: sie gingen zu viert nach Shanghai, weil Christian dort beruflich zu tun hatte. Und während er Karriere machte, folgt Gustav: „Der kam mit voller Wucht, ich konnte mein Glück kaum fassen, es ist eine tolle Verbundenheit, was ich nicht gedacht hatte“, freut sich Grete. Nach drei Jahren ging es zu fünft zurück nach Deutschland – geplant. Und dann kam Johann – ungeplant, aber alle sind sich einig: erst er hat die Familienplanung komplettiert.
Auch, wenn das bedeutet, dass Zeit zu zweit meist etwas hinten anstehen muss. Denn viele Kinder sind in erster Linie eine große zeitliche Herausforderung, die Ruhe und Abschalten für das Paar zu einer Mammutaufgabe machen.
Zurück zum Küchentisch. Ferien bedeuten auch, rund um die Uhr vier aufgeweckte, aktive Kinder zu beschäftigen – eine Herausforderung, der sich Grete gern stellt, aber dabei manchmal auch an ihre Grenzen stößt. „Wollt ihr nicht was kneten?“, fragt sie in die Runde, während sie den Tisch feucht abwischt. „Die Jungs kriegen meine Knete nicht, die manschen immer alles zusammen!“, brüllt Mathilda und rennt hoch, um ihre Knete in Sicherheit zu bringen. Irgendjemand drückt auf dem Keyboard herum, das im Flur steht. „Geht es auch leiser?“, fragt Grete betont ruhig. Schwierig. Familienchancen zu Gast bei Familie KahlAls die vier endlich beschäftigt sind, kann Grete sich um die anderen täglichen To Dos kümmern. Wäsche aufhängen, einkaufen, putzen. Und schon mal den Nachmittag planen. Für später wird einträchtig entschieden: erst Spielplatz, dann Wald.
Diese Einigkeit gibt es selten. Denn meistens haben die Jüngeren andere Pläne als die Älteren oder sind verabredet. Und sowieso wollen alle alles gleichzeitg machen – das fordert großes Organisationstalent.
Und nebenbei hat Grete noch einen Job, für den sie einige Stunden von zu Hause aus arbeitet. Wenn Johann in die Krippe kommt, wird sie auf 15 Wochenstunden aufstocken. Sie arbeitet als Sozialpädagogin für die Bamberger Sozialstiftung, erarbeitet gerade ein Konzept für eine neuartige Pflegeeinrichtung für demenzerkrankte Senioren.  Finanziell trägt das zumindest einen kleinen Teil zur Entlastung bei, wenn sie wieder arbeitet. Aber für Grete geht es vor allem um etwas anderes: „Ich liebe meinen Beruf.“ Trotz Gleitzeit wird hin und wieder ein Babysitter einspringen müssen. Und erstmal einen finden, der gleich vier Kinder wuppt. Aber sie und Christian können sich ein anderes Leben nicht vorstellen. „Kinder kann ich nur empfehlen“, sagt Christian. „Auch viele Kinder.“ Bis auf einen Tag arbeitet er zuhause, als Ingenieur. Er hat ein Büro im Haus, und zur Not auch eine schalldichte Kabine für wichtige Telefonkonferenzen.
Der Vorteil vom Homeoffice: Christian kann sich zwischendurch auch mal ausklinken und zum Beispiel den Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Bis auf einen Tag in der Woche arbeitet er von Zuhause aus und ist meist zwei Tage in der Woche im Außendienst unterwegs. Einmal im Monat kommt eine längere Dienstreise hinzu. Bleibt etwas liegen, setzt er sich auch abends oder am Wochenende hin. Besonders genießt er es, dass er beim Mittagessen stets dabei ist, und so mitbekommt, was im Leben seiner Kinder stattfindet – in der Schule, in der Kita. Was heute nicht ganz so gut klappt wie sonst: Die Familie ist schon durch mit dem Mittagessen, als sein Telefonat endlich vorbei ist.

Zwischen Trubel und Ruhe 

Was Grete und Christian abzuschütteln versuchen, wenn sie als Großfamilie unterwegs sind: die schiefen Blicke, die anzüglichen Bemerkungen. „Dann hört man, wir hätten wohl sonst kein Hobby oder seien scharf aufs Kindergeld“, erzählt sie. „Und wenn wir mal ins Restaurant essen gehen und versuchen das mit den verschiedenen Löffeln und Tellern hinzubekommen, sind da diese mitleidigen Blicke der anderen Gäste von wegen ‚Ach, die Armen …‘“, sagt Grete. Von wegen arm – sie und Christian fühlen sich mit jedem Kind beschenkt. Ein unbezahlbares Glück, das sie gegen nichts auf der Welt eintauschen möchten. Auch wenn traute Zweisamkeit oder gar gewollte Einsamkeit meistens auf der Strecke bleibt. Die eigenen Bedürfnisse kommen immer als letztes, und fallen deshalb oft ganz hinten über.
Nach dem Mittag folgt wie aus heiterem Himmel einer dieser schönen, sanften Momente, die es bei den Kahls genauso gibt wie die aktiven, lauten: Johann schläft, Frida hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen, und auch Gustav bleibt verschwunden. Mathilda kommt mit einem Leselernbuch, kuschelt sich an ihre Mutter, bespricht halblaut flüsternd noch irgendwas, worüber sie sich vorhin wechselseitig sehr geärgert haben, und haken es ab. Dann wird vorgelesen, einträchtig und innig. „Als die Mathilda aus mir geschlüpft ist“, wird Grete später erzählen, „habe ich gleich gemerkt, dass sie besonders viel Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht, und die bekommt sie auch.“
„Man versucht allen Kindern gerecht zu werden und sie nicht über einen Kamm zu scheren“, erzählt sie. Aber man müsse sich eingestehen, dass das nicht immer gelinge. „Von daher versuche ich, dass jedes Kind jeden Tag ein besonderes Erlebnis hatte – und sei es noch so klein“, sagt sie. Und zwischendrin gibt es die besonderen Tage, an denen jedes Kind mal exklusiv und unangefochten die Hauptrolle spielt. Und die Kinder würden diese Tage aber sowas von genießen, meint Grete.
Familienchancen zu Gast bei Familie KahlSo: Christian hat endlich Feierabend. Wie gut, dass er jetzt nur von einem Zimmer ins nächste gehen muss. Er schlendert ins Wohnzimmer, bückt sich, greift sich den kleinen Johann, geht mit ihm auf dem Arm eine Runde durch den Garten, wo Mathilda gerade die Büsche und Pflanzen mit dem Gartenschlauch so heftig wässert, dass die Erde an die Hauswand spritzt. „Ups!“, sagt sie. Und lacht und lacht und lacht … so ansteckend, dass sich am Ende die ganze Familie kugelt.

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