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Socken, ein Schminkset und ein Delphin

Socken, ein Schminkset und ein Delphin

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Auch kleine Geschenke können viel bewirken – zu Besuch beim vorweihnachtlichen Überraschungsschenken des Vereins „Wunschbäumchen Berlin“.

Lukas und sein neues Feuerwehrauto
Lukas braucht keine zehn Sekunden, um sein neues Feuerwehrauto aus der Verpackung zu befreien. „Der ist jetzt sowas von glücklich“, sagt seine Mutter und schaut ihm gerührt hinterher, wie er auf den Knien sogleich durch den Raum rutscht und alle Brände dieser Welt löscht. Sie ist seit kurzem alleinerziehend, sei noch in eine hässliche Scheidung verstrickt, erzählt sie. „Richtig anstrengend“, sagt sie und sie winkt ab. Denn das soll jetzt mal keine Rolle spielen; jetzt soll etwas anderes wichtig sein: die vielen anderen Kinder, die Weihnachtsmusik aus dem Kassettenrecorder; die Kekse, die verziert auf den Tellern liegen, neben dem weißbepuderten Christstollen in Scheiben. Und eben die Geschenke. Für jedes Kind, ob groß, ob klein, eine Tüte, die sie sich abholen können, wenn ihr Name aufgerufen wird.
 

Kinder beim Basteln
Erster Advent im Nachbarschaftstreff Schillerkiez, Neukölln, also tiefstes Berlin. Gut 30 Kinder haben sich mit ihren Eltern zur vorweihnachtlichen Übergabe von Überraschungsgeschenken eingefunden. Etwas schüchtern noch sitzen sie an langen Tischen, nesteln an den Kordeln ihrer Jacken, weichen ihren Eltern nicht von der Seite. Bis nach und nach die ersten ihre Jacken ausziehen und an die Garderobe hängen; bis sie mit rüber kommen in den Nachbarraum neben der Küche, wo Mürbeteig auf Backpapier zum Ausrollen bereitliegt und Keksformen zum Ausstechen: Stern oder Baum, Mondsichel oder Engel, jeder kann wählen. Dazu wird Kakao gereicht und Apfelschorle. Und wer von den Kindern keine Kekse backen möchte, kann etwas basteln, kann etwas ausmalen, kann auch einfach nur zugucken. Für die eine oder andere Mutter gibt es einen Kaffee. Schwarz und stark. Oder milder mit Milch und Zucker. Und ein erstes Blech mit den nun fertigen Keksen wird bald gereicht.

Mittendrin wirbelt Daniela-Lungwitz-Mohamad herum, Leiterin des kleinen Vereins „Wunschbäumchen Berlin“, der hier heute im Nachbarschaftstreff zu Gast ist. Wenn der Sommer in den Herbst übergeht, dann ist sie schon unterwegs: schaut im Internet nach günstigen Angeboten für Spielzeug, nach guter und dennoch preiswerter Kleidung wie Pullovern, Sweat-Shirts oder auch Socken für die kommenden, kalten Tage. Später dann wendet sie sich an die Lokalpresse, postet bei Facebook und Twitter, dass sich Eltern für ihre Kinder bewerben können, um zum ersten Advent ein Geschenkpaket zu bekommen. „Was auch immer viel Aufmerksamkeit zieht, sind Kleinanzeigen bei Ebay“, sagt sie. „Doch vieles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda.“

Dabei wird nicht ziellos verschenkt. Und die Eltern müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen, müssen sich bewerben, werden gebeten aufzuschreiben, was sie sich für ihre Kinder wünschen, also was passen könnte. „Kann ja sein, dass ein Junge gar nicht mit Autos spielt oder ein Mädchen gar nicht liest“, erzählt Daniela-Lungwitz-Mohamad. Manche wünschten sich nur Kleidung, andere nur Spielzeug. Wieder andere bitten um beides, was dann jeweils etwas kleiner ausfalle. Und noch andere schreiben auf den Zettel: „Wir möchten uns gerne überraschen lassen.“ Und das wird dann so gemacht. Hauptsache: an jeden wird gedacht.

Das Budget pro Kind: zwischen zehn und zwanzig Euro. Daniela-Lungwitz-Mohamad und ihr Team wissen, dass das nicht die Summen sind, durch die sich die Welt ändern kann. Aber manchmal sind dank ihrer Geschenke genau die Euros übrig, damit die Familien zum 24. Dezember etwas Besonderes einkaufen kann; damit doch ein kleiner Tannenbaum besorgt werden kann, um den am Heiligabend alle herumsitzen. „Doch“, sagt Daniela-Lungwitz-Mohamad mit fester Stimme: „Man kann es sich vielleicht nicht vorstellen, aber es gibt hier im Kiez Kinder, die sagen: ‚Wir feiern keine Weihnachten, weil meine Mama kein Geld dafür hat.‘“ Für die der 24te Dezember ein ganz normaler Tag sei. Nur, dass es eben nicht normal ist, wenn das Weihnachtsfest ausfalle.

Daniela-Lungwitz-Mohamad kennt diese Auswüchse von Armut noch von einer anderen Aktion: wenn ihr Verein zum Herbst hin Geld- und Sachspenden sammelt, damit Kinder, die in die Schule kommen, eine schöne Einschulungsfeier haben. Sie sagt: „Auch das mag man nicht glauben, aber es gibt Kinder, die stehen am Tag ihrer Einschulung mit leeren Händen da; keinen Tornister, keine Federmappe, nicht mal eine Schultüte.“ Sie streckt ihren linken Arm aus und rollt den Ärmel leicht hoch: „Wenn ich nur daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut.“ Und sie rollt den Ärmel wieder herunter, schaut nach, ob irgendwo noch etwas fehlt, ob genug Kaffee da ist und genug Saft.
 

Kinder mit ihren Geschenken
Und dann nach anderthalb Stunden ist es soweit: einzeln treten die Kinder nach vorn und nehmen ihr Geschenk in Empfang. Einen Fußball und zwar den amtlichen von der Nationalmannschaft zur letzten WM und dazu einen Jogging-Anzug. Ein Gespensterbuch zum Vorlesen plus ein T-Shirt mit Glitzeraufdruck und ein Puzzle. Für die drei Schwestern, die sich so ähnlich sind und die alle einen Doppelnamen haben, eine Schoko-Werkstatt, um selbst Pralinen zu machen. Ein Schminkset, dazu ein Bündel warmer Socken. Einen Dinosaurier im Miniformat oder einen blau-weißen Delphin zum Aufpumpen, denn die nächsten Freibadferien kommen bestimmt.

„Früher haben wir die Geschenke nur verteilt, aber dann fanden wir es besser, immer auch eine kleine Feier dazu zu machen“, erzählt Daniela-Lungwitz-Mohamad, die kurz gedanklich mit dem nächsten Event beschäftigt ist, denn es wird diesmal einen zweiten Geschenke-Termin geben. Und sie steht da, holt sich jetzt endlich selbst einmal etwas zu trinken, nimmt sich selbst einen Keks und schaut zufrieden, weil jetzt alle zufrieden sind. Die Eltern, die Kinder, allen voran Lukas, der gerade entdeckt hat: die Feuerwehrleiter an seinem neuen Feuerwehrauto, die kann man ausfahren.

Das Angebot des Neuköllner Nachbarschaftstreffs findet man hier: www.nachbarschaftstreff-schillerkiez.de

Der Verein „Wunschbäumchen Berlin“ hat folgende Homepage: https://wunschbaeumchenschuetteln.wordpress.com

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