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Wer Mutter wird, wird kein besserer Mensch – aber ein anderer

mutter
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In „Mutter“ steckt das Wort „Mut“. Davon braucht man viel, insbesondere wenn die Kinder in die Pubertät kommen, findet Anne Vogd.

„Papa, was macht einen richtigen Mann aus“, fragt ein kleiner Junge. Der Vater antwortet: „Ein richtiger Mann ist jemand, der für seine Familie da ist, für sie sorgt und alles tut, damit es ihr gut geht“. Worauf der Junge meint: „Wenn ich groß bin, werde ich auch ein richtiger Mann, so wie Mama“.

In dem Mument, in dem ich selbst Mutter wurde, änderte sich vieles: Ich war plötzlich keine Nachteule mehr, die immer als Letzte die Party verließ. Aber auch kein früher Vogel, der stets der Erste im Büro war. Ich war mehr so eine ständig erschöpfte Taube, die in der Fußgängerzone weghüpft, statt ordentlich zu fliegen. Das lag vermutlich an dem großen Ehrgeiz, den ich von Anfang an in das Muttersein steckte. Spielenachmittage, Kinderturnen, Basteltreffs, Neigungsgruppen: das volle Programm. Auch wenn es anstrengend war; gelacht wurde immer viel.

Zum Beispiel, als der vierjährige Freund meiner Tochter Jan S. mich fragte: „Wann bist du eigentlich geboren?“. Und ich antwortete: „1965“. Worauf er mich erstaunt ansah und meinte: „Wow, wohnte man da noch in Ritterburgen mit Zugbrücken?“ In dem Alter quasseln Kinder ja noch viel. Das hat die Natur vermutlich extra so angelegt, weil sie sich in der Pubertät erfahrungsgemäß auf „ich hab‘ keine Ahnung“, „ist mir doch egal“ und „jetzt chill mal“ beschränken.

Im Pubertätsalter, also der Phase, in der wir Eltern anfangen, peinlich zu werden, muss man die Erziehungsmethoden anpassen, damit sie nach wie vor greifen können. Unserem WLAN kam dabei in den letzten Jahren eine hohe disziplinarische Bedeutung zu. Virtuelles Anstupsen wie „Kinder kommt, Essen ist fertig, sonst Router-Interruptus“ oder „Iss‘ dein Gemüse, sonst ändere ich das WLAN-Password“ war bei uns völlig normal.

Erziehung ist harte Arbeit. Was macht man mit Kinderzimmern, auf deren Böden sich Klamottenberge türmen, die in Ostfriesland als „Hochgebirge“ durchgehen würden? Die aber erst weggeräumt werden, wenn das WLAN-Signal nicht mehr durchkommt? „Wischen impossible“ heißt es dann oft für mich und meinen innerhalb kürzester Zeit Chaos zu stiften, macht auch vor dem Rest der Wohnung nicht halt. Während es bei anderen Familien aussieht wie in einem Wohnkatalog, sieht es bei uns dank meiner Tochter aus wie auf einem Wimmelbild.

Unsere bilateralen Gespräche dazu erinnern an die zwischen zwei verfeindeten Großmächten – und verlaufen ebenso oft im Sande. Daher habe ich jetzt Plan B entwickelt: Ich denke, wenn sie in einem Jahr auszieht, werde ich sie irgendwann besuchen und Mantel, Schuhe, Tasche sowie weitere Utensilien einfach auf den Boden werfen. Ich werde die Küche auf den Kopf stellen, stundenlang ihr Bad blockieren und wenn auch dort das Durcheinander perfekt ist, werde ich sagen: „Huch, schon so spät … jetzt muss ich schnell nach Hause … aber schön war’s bei dir.“

Unsere Kolumnistin Anne Vogd Unsere Kolumnistin, Anne Vogd, (52), ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als Comedian auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis. Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören. Hier finden Sie weitere Beiträge dieser Autorin.

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