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Und täglich grüßt das Murmeltier

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55 Prozent der Deutschen möchten sich laut einer Studie nochmal umdrehen und weiterschlafen, wenn der Wecker klingelt.
Ich gehöre definitiv dazu. Ich brauche morgens allein 30 Minuten, um zu wissen, wer ich bin. Jeden Morgen ist es eine Art "Quasi-Lähmung", die sich gnadenlos über mich legt.
Mein Bett ist mein bester vierbeiniger Freund. Mein Wecker will das aber nicht akzeptieren. Und weil ich das mittlerweile weiß, hatte ich mir mal Rammstein als Weckton eingerichtet, um dann fünf Minuten früher wach zu werden, damit ich mir das nicht anhören muss. Das hat aber auch nicht funktioniert. Ich habe zeitweise dann nur noch in der stabilen Seitenlage genächtigt – für den Fall, dass ich beim Wecken kollabiere. Irgendwann habe ich meinen Wecker dann auf Ebay gestellt. Die Produktbeschreibung lautete: Wecker mit leichten Abnutzungsspuren, mittelmäßiger Flugtauglichkeit, minimalen Resten von Wandfarbe, aber vollkommen funktionstüchtig – sehr günstig abzugeben.

Mein bester Freund: die Snooze-Taste

Das schönste Geräusch eines Weckers ist ja, wenn er morgens nicht klingelt. Das zweitschönste die Schlummerfunktion. Daher hatte der nächste Wecker eine Snooze-Taste. Fatal für jemanden wie mich, der seinen Wecker gerne auf April stellen würde, um bis August zu snoozen. Eigentlich sind Schlummertasten ja paradox: Sie führen doch nur dazu, dass du den schlimmsten Moment des Tages gleich 5-mal erleben darfst. Bestenfalls, denn das bedeutet, dass man zwischen den Weckgeräuschen wieder eingeschlafen ist. Ich hingegen habe die Angewohnheit, bei jedem Piepsen auszurechnen, wie oft ich noch wegdösen kann, bevor die Schlummerfunktion endgültig nicht mehr verfügbar ist, was das Wegdösen natürlich im Keim erstickt. Also könnte ich auch gleich aufstehen.
Es ist einfach wie verhext: Selbst, wenn ich mich nachts 20-mal hin und her wälze, mich im Bett drehe und wende wie eine Kompassnadel – keine Position ist so angenehm wie die, mit der ich morgens aufwache. Ich könnte morgens alles kurz und klein schlafen. Das geht vielen so. Einige versuchen diesen schrecklichen Moment mit Meditation zu überbrücken. Man geht auf Tauchstation in sein Inneres und sucht Antworten auf Fragen, die Google nicht liefern kann.

Auch ich habe es versucht – mit mäßigem Erfolg …

15 Minuten saß ich regungslos auf der Bettkante und starrte ins Leere, bevor ich ganz benommen wieder nach hinten umkippte, mir den Kopf am Kissen stieß und dann noch ein paar Minuten liegen bleiben musste, um mich zu regenerieren. Aber auf Dauer führte dieses Prozedere zu nichts.
Die entscheidende Idee lieferte jedoch ein Angebot vom örtlichen Discounter: Bettwäsche und Schlafanzüge aus Satin. Seitdem schlafe ich nur noch mit einem Satin-Schlafanzug in Satin-Bettwäsche. Das Material ist wirklich so glatt, dass es das erfolgreiche "Aus-dem-Bett-Fallen" oder sollte ich lieber von "Aus-dem-Bett-Rutschen" sprechen, ungemein erleichtert. Jetzt nur noch ein Wecker mit "Applaus-Geräusch" als Weckton – ich denke, dann könnte auch ich einigermaßen in den Tag starten.
Anne Vogd
Unsere Kolumnistin, Anne Vogd, (Jahrgang 1965), ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als Comedian auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis.
Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören.


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