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Experteninterview: Schluss mit den Tabus!

Experteninterview: Schluss mit den Tabus!

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Die bekannte Dermatologin und Buchautorin Yael Adler spricht Tabus humorvoll und offen an – worauf man dabei achten sollte? Jetzt lesen!

Was sind klassische Tabu-Themen für Sie?

Für jeden Menschen gibt es unterschiedliche Tabu-Themen – was für den einen peinlich ist, ist für den anderen nicht peinlich. Es gibt aber auch ein paar gemeinsame Nenner und die beschreibe ich alle in meinem Buch. Bei Männern sind die beiden Top 2 Erektionsstörungen und Schnarchen. Bei den Frauen ist es Haarausfall und damit verbunden der Verlust an Weiblichkeit, Vitalität und sichtbarer Gesundheit. Außerdem meiden sie alle Themen, die irgendwie „schmutzig“ sind, wie das Pupsen oder der Stuhlgang. Das ist Frauen sehr peinlich. Und beiden Geschlechtern ist rund um Sexualität und Intimbereich einiges unangenehm.

Woher kommen diese Tabus?

Tabus sind gesellschaftlich, religiös oder kulturell geprägt. Vieles ist anerzogen und stillschweigend von Generation zu Generation weiter transportiert. Tabus geben uns einen Handlungsrahmen vor, an dem wir uns orientieren können, der uns zeigt, was wir dürfen und was nicht. Zum anderen schränken sie uns ein, machen Angst und verhindern, dass wir Problemen auf den Grund gehen, sie ansprechen und lösen können.
Außerdem gibt es sehr archaische Tabus. In der Steinzeit war das so: Wenn jemand eine Krankheit sichtbarer Art hatte, dann hat das den Reflex ausgelöst „Schnell in Sicherheit bringen, vielleicht ist das ja ansteckend und ich könnte mich und meinen Stand gefährden“. Das heißt, alles, was sichtbar krank ist, ist stigmatisiert und tief in uns verankert als ein Tabu. Keiner möchte sichtbare Leiden haben, denn man möchte ja zur Gruppe dazugehören und kein Außenseiter sein.

Wie haben Sie es persönlich geschafft, sich von dem ein oder anderen (vermeintlichen) Tabu zu befreien?

Ich empfinde persönlich natürlich auch Peinlichkeiten, Scham und Tabus, deswegen kann ich auch sehr einfühlsam über sie sprechen. Ich habe es aber geschafft, mich von manchen im Laufe des Lebens zu befreien. Auch die Erkenntnis, dass ich nicht alleine bin damit, hat mir geholfen. Ich habe durch meine Patienten erlebt, dass ein Leiden meist viele betrifft, die sich damit quälen und dass es unheimlich erleichternd ist, darüber zu sprechen.
Als Ärztin bin ich sowieso ein bisschen tabuloser, weil ich einfach nichts Menschliches fremd finde. Ich beschäftige mich mit Körpern, Krankheiten und Peinlichkeiten – und bin dadurch natürlich tabuloser. Das heißt aber nicht, dass ich gar keine habe.

Was hat Sie dazu bewegt, offen über Tabus zu sprechen?

Ich muss Tabus ansprechen, weil ich sonst keine gute Medizin leisten kann. Bei mir sind im Zwanzig- bis Dreißig-Minuten-Takt Patienten im Sprechzimmer, die ihre Tabus mitbringen und die müssen wir natürlich lösen, sonst kommen wir nicht an die Wurzel des Problems. Kurzum: Ich kann sonst nicht ganzheitlich heilen.
Es ist so: Wer nicht über Tabus und Peinlichkeiten rund um seinen Körper spricht, leidet oft still und heimlich über viele Jahre und verliert Lebensqualität. Und sehr oft bemerke ich, dass Patienten erleichtert sind, wenn ich sie darauf anspreche. Ich schenke ihnen so die Möglichkeit, sich zu äußern und einen Weg, ihr Problem zu formulieren.
Denn mit der Sprachlosigkeit fängt alles an. Und wenn ein körperliches Leiden nicht enttabuisiert wird, dann kann es chronisch oder unheilbar werden und zu Folgeschäden führen, im schlimmsten Fall ja sogar zum Tod. Deswegen ist es notwendig, rechtzeitig zu handeln. Ich möchte, dass die Patienten mündig sind, ihren Körper verstehen, für sich Verantwortung übernehmen. Aber natürlich auch für ihre Mitmenschen – wenn sie zum Beispiel eine Infektionskrankheit haben, Fußpilz oder Dornwarzen.
Zusammenfassend sind die Hauptgründe, offen über Tabus zu sprechen: Lebensqualität, das Chronisch-Werden und die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen.

In Ihrem Buch „Darüber spricht man nicht“ gehen Sie sehr humorvoll mit dem Thema um – war das schon immer so?

Ich gehe mit den Themen humorvoll um, wo Humor erleichternd wirkt. Das kann vor allem dann sehr hilfreich sein, wenn das Thema viele Menschen betrifft.  Durch den humorvollen Umgang führt es weder zu Sprachlosigkeit noch zu Schock oder Ekel, sondern kann einfach munter angesprochen werden. Das nimmt der ganzen Sache die Schwere und Bedrohlichkeit und löst Ängste.
Aber es gibt natürlich auch Themen, über die man nicht so spricht. Zum Beispiel unheilbare Formen von Haarausfall oder dramatische Krankheiten. Dann ist es immer eine Empathie- und Respekt-Frage, man muss vorfühlen, ob man mit Humor oder Einfühlungsvermögen weiterkommt. Optimismus ist im Rahmen solcher tabubesetzten Zonen auch ganz wichtig.

Sich selbst zu lieben, mit allem Drum und Dran, fällt vielen Menschen schwer. Haben Sie ein Ritual oder eine Gewohnheit, mit der Sie Ihr Selbstbewusstsein stärken?

Zunächst glaube ich, dass es vielen schwer fällt, weil sie dauernd von den Medien vorgelebt bekommen, wie Puppen auszusehen. Der Maßstab verschiebt sich völlig ins Unnatürliche, denn man misst sich nicht mehr an echten Menschenbildern und -körpern. Wenn man kein Selbstbewusstsein hat oder vielleicht noch an sich zweifelt, weil man jung ist, dann kann das schwerwiegende Folgen haben.
Es ist eine richtige und wichtige Erfahrung, dass Menschen überhaupt nicht fehlerfrei und perfekt sein müssen, um liebenswert, schön und attraktiv zu sein. Ich finde außerdem den Gedanken sehr wichtig, dass es Menschen gibt, die krank sind, die froh wären, wenn sie solche kleinen Problemchen hätten, wie eine Falte oder Dellen am Po. Dankbarkeit einem gesunden und funktionierenden Körper gegenüber zu empfinden, ist für mich ein wichtiges Thema.
Ich versuche, den Tag zu genießen, das Leben zu genießen, mich mit Menschen zu umgeben und Dinge zu suchen, die mir guttun. Das sind alles Aspekte, die mein Bewusstsein stärken.

Viele Frauen fühlen sich in ihrem eigenen Körper nicht wohl und trauen sich nicht darüber zu sprechen. Was raten Sie ihnen?

Ich sage ihnen einfach, dass ein normaler Körper nicht aussieht wie in einer Zeitschrift, im Fernsehen oder im Film. Vielen Frauen hilft es auch zu wissen, dass Männer sie attraktiv finden als Ganzes und nicht auf Details schauen und diese als Makel herauspicken.
Selbstbewusst und zufrieden sein mit sich und seinem Körper und wissen, dass all das, was Frauen oft an sich als Makel entdecken, eigentlich ganz normal ist, macht schon viel aus.
Tatsache ist, dass alles, was Frauen oft an sich bemängeln, einfach zum ganz normalen Körper und zum Leben dazugehört, keiner sollte das als Makel sehen. Man sollte aufhören, sich zu vergleichen. Und aufhören zu lügen – einfach mal Fotos ohne Bildbearbeitung auf Instagram posten!
Ich will gerade den jungen Frauen sagen: Ihr seid gut so wie ihr seid! Ihr seid schön, jung und habt das Leben vor euch! Genießt euch, eure Umwelt, eure Mitmenschen, euren Körper!

Stellen Sie sich vor, wir würden den ersten nationalen „Endlich frei von Tabus“-Tag feiern: Wie würde dieser aussehen? Welche Rituale gehören für Sie dazu?

Wenn es gar keine Tabus mehr geben würde, dann würden Menschen vor sich hin rülpsen, schmatzen und vieles mehr. Es muss ja nicht sein, dass jedes Tabu auf dieser Welt rund um den Körper gebrochen wird. Mir ist es einfach nur wichtig, dass die Menschen keine Einschränkung ihrer Lebensqualität haben, keine chronischen Leiden bekommen und dass sie andere Leute nicht anstecken. Zu einem gesundheitsbewussten Leben gehört es einfach dazu, den Körper zu kennen und keine Tabu-Zonen zu haben. Aber es muss nicht jeder Tag frei von Tabus sein, das ist gar nicht mein Anliegen.

Dr. Yael Adler Dr. Yael Adler hat sich mit Haut und Haaren der Dermatologie verschrieben. Nicht nur bei ihren Patienten, auch in den Medien ist sie gefragt. Eloquent, lebendig und erfrischend gibt die Hautärztin Expertenrat in Fernsehen, Hörfunk und Print. Sie schreibt Kolumnen und Bücher. "Haut nah" wurde Spiegel-Nr.1-Bestseller und bisher in 31 Sprachen übersetzt. Anfang September 2018 erschien ihr zweites Buch "Darüber spricht man nicht", in dem sie alles beschreibt, was uns peinlich ist und uns von Körpertabus befreit – ebenfalls ein Bestseller.


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