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Anne Vogd: „Der Garten meines Nachbarn ist perfekt. Meiner nicht. Na und?“

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Geschmäcker sind verschieden. Aber unsere Kolumnistin kann nur darüber staunen, wie ihr Nachbar seinen Garten regelrecht digitalisiert.

Ich liebe die Freiluft-Saison. Es riecht nach Gülle, den Adiletten im Kleingartenverein wachsen Tennissocken und mein Nachbar fragt: „Kommst du heute Abend zum Grillen in den Garten?“ Ich frage: „Ist das überdacht?“ Er antwortet: „Nee, eher spontan.“

Dabei wollte ich ihm mit meiner Anspielung eine Steilvorlage liefern. Ich weiß doch, wie stolz er auf seine Neuerrungenschaft ist: Eine Klang-Markise, mit der man über eine intuitive Bedienoberfläche beliebige Beschattungs- und Beschallungsszenarien programmieren kann. Leider haben wir nicht denselben Musikgeschmack. Früher hörte er seine „Best-of-Mist-Musik“ immer in Zimmerlautstärke, also so laut, dass er sie in jedem Zimmer gut hören konnte – egal, wo er sich gerade befand. Heute sorgt seine Markise dafür, dass auch der Außenbereich ausgiebig beschallt wird.

Der ganze Garten meines Nachbarn ist eine Mischung aus Baumarkt und IT-Abteilung. Alles ist automatisiert und durchoptimiert. Die Kreisregner für den Rasen mit 360-Grad-Radius und einer Wurfweite von 15 Metern, die Buddhafigur mit solarbetriebenem Wasserspiel und LED-Farbwechsler und natürlich der Rasenmäher-Roboter, der pünktlich um vier aus seiner Garage kommt und seinen mühevollen Weg mit exakt 26 Zentimetern Schnittbreite und vier Zentimetern Schnitthöhe aufnimmt. Bei meinem Nachbarn sieht der Garten so aus, als ob sich der Bundespräsident angemeldet hätte.

Mich würde diese ganze Elektronik nervös machen. Außerdem ist der ganze Technikfirlefanz nicht alltagstauglich genug. Neulich konnte meinem Nachbarn ein Digital-Timer für seine Teich-Filteranlage nicht zugestellt werden, weil die Video-Klingelanlage ausgefallen war. Und wie sehnsüchtig hatte er darauf gewartet! Also, wenn meine Klingel mal ausfällt, habe ich einfach einen Zettel an der Tür kleben: Klingel kaputt – bitte laut „Ding-Dong“ rufen. 

Meine Grünzelle sieht anders aus als die Länderei meines Nachbarn. Sie ist nicht nur kleiner, sondern auch etwas „unangepasster“. Keine akkurat getrimmten Hecken, keine pedantisch mit Nagelschere in Form gebrachten Buchsbaumkugeln. Aber mein kleiner Garten ist ein Stück meiner Welt, die mir Unbeschwertheit und tiefe Zufriedenheit beschert, wenn ich Abstand von der restlichen Welt brauche.

Nach getaner Arbeit habe ich mich gestern noch stundenlang in meinem Garten umgesehen. Dabei entdeckte ich sogar eine Schnecke mit Häuschen und fünf Nacktschnecken drum herum. Vermutlich eine Immobilienbesichtigung. Nachdem ich allerdings heuschnupfenbedingt mein tausendstes Taschentuch druckbetankt hatte, zog es mich unter die Dusche. Aber kein Grund zur Traurigkeit, denn dank der erfrischenden Aromen von Herbal Essences konnte ich dort mein sinnliches Naturerlebnis weiter fortsetzen.

Unsere Kolumnistin Anne Vogd Unsere Kolumnistin, Anne Vogd, (52), ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als Comedian auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis. Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören. Hier finden Sie weitere Beiträge dieser Autorin.

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