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Magic Cleaning: Ausmisten nach Marie Kondo – Anne Vogd macht’s vor

Magic Cleaning: Ausmisten nach Marie Kondo – Anne Vogd macht’s vor

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Experten verkündeten jüngst, dass die weltweite Menge an Klamotten mehrere Millionen Tonnen beträgt. Eines dieser Tönnchen beherberge ich.
Neulich kam unerwartet meine Nachbarin vorbei: „Wow, bei Dir sieht’s ja aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen“. Meine Antwort: „Ja, das ist Peng-Shui“. Nur zum Verständnis: Nicht Feng-Shui, bei dem man die Schuld für alles, was schiefläuft, auf falsch stehende Möbel schiebt.

Klar, dass jemand, der im Unterschrank eine Tüte mit 20 Tüten aufbewahrt, um nicht im REWE mit einer Real-Tüte auftauchen zu müssen, überfordert ist.

Nein, ich will nicht lästern. Es ist schön, wenn jemand seine Dinge stets in Ordnung bringt und seine Frustfalte beim Bügeln gleich mitglättet. Ich habe jedoch mein eigenes System. Bei mir ist jeden Tag Ostern. Ich suche immer irgendwas. Aber ich weiß auch immer, wo ich nicht suchen muss – das ist doch auch wieder irgendwie in Ordnung, oder? 

Zum Beispiel im Dachgeschoss. Dort befindet sich ein großzügig ausgestattetes Museum für sinnfreie Dinge mit einer ganzjährigen Aktionsfläche für Nippes und Tinnef: Kuschelrock-CDs, Kabel für die es keine Geräte mehr gibt, Fotoboxen, Gläser aus Rabattaktionen. Es kommt immer mehr dazu, aber nie etwas weg. Und ich bin kein Einzelfall. Vermutlich wurden deswegen auch keine Pyramiden mehr gebaut, weil man irgendwann erkannt hatte, dass der Speicherplatz im Dachgeschoss einfach zu gering war.

Ja, ich gebe zu, manchmal ist Besitz einfach nur belastend …

Ich frage mich: Besitze ich die Dinge oder besitzen sie mich? Mein Kleiderschrank ist pressvoll. Man kann in ihm eine Zeitreise bis in die 80er-Jahre unternehmen. Viele davon hat mein Mann mir geschenkt. Damals vermutlich, damit kein anderer Mann mehr reinpasst. Jedes Teil erzählt eine Geschichte. Der Inhalt meines Kleiderschranks spiegelt sozusagen ein Stück weit meine Biografie wider.

Letzten Samstag – der Wendepunkt: Mein Kleiderschrank musste von Sommer auf Winter umgerüstet werden. Kurz zuvor hatte ich einen Artikel über Marie Kondo gelesen. Das ist diese japanische Aufräum-Queen, diese Frau mit dem Schubladendenken und dem Unterhosen-Origami. Sie hilft bei Plunder- und Klamottenexit, indem sie sagt: „Weniger ist mehr. Maximal minimal. Aussortieren, Loslassen, Downsizen.“. 

Sich von allerlei Ballast zu trennen, macht glücklich, sagt Marie Kondo. 

Also belagerte ich meinen Kleiderschrank. Stundenlang. Ich nahm jedes Teil in die Hand: Die stonewashed Jeans, die ich bei meiner Abschlussprüfung in Mathe trug, das Off-Shoulder-Shirt, das mich über die vergeigte Prüfung hinwegtröstete, ein Blazer mit Pagodenschulter, mit dem ich aussah wie Sue Ellen Ewing aus der Serie Dallas. Meine erste (und letzte) Gucci Hose, für die ich drei Monate gespart hatte, die es aber dann nur noch in kleinen Größen gab. Ich hatte sie trotzdem genommen und ausschließlich auf Steh-Empfängen getragen. Alle Teile sind so alt, dass sie keinen Welpenschutz mehr haben. Dafür aber genießen sie Kultstatus. Wie auch die Rüschenrobe, mit der ich 1986 meinen Abschlussball bestritten hatte und mit der ich jetzt durch die Wohnung tanzte, während der wiederentdeckte Walkman „Big in Japan“ von Alphaville spielte.

Radikal und gnadenlos bin ich bei meiner Ausmistungsaktion vorgegangen, habe mich bei jedem einzelnen Teil bewusst dafür oder dagegen entschieden – ein steiniger Weg, ein schmerzhafter Prozess. Aber ich bin hart geblieben und habe es letztendlich geschafft: Zwei Tops flogen raus

Anne VogdUnsere Kolumnistin, Anne Vogd, (Jahrgang 1965), ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie arbeitete 25 Jahre im Vertrieb einer Modefirma, wollte sich 2013 aber radikal verändern und ist seitdem als Comedian auf Karnevalssitzungen und anderen Veranstaltungen unterwegs. 2016 gewann sie den SWR3 Comedy Förderpreis. Heute schreibt sie zusätzlich Kolumnen in Tageszeitungen und ist regelmäßig im Radio zu hören.

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